Notsignal zeigt Wirkung II

27. April 2020 - 14:07 | Jürgen Kannler

Augsburger Kulturschaffende kritisieren die Politik der Stadtregierung in der Corona-Krise. Ihr Notsignal trifft auf breite Zustimmung in der Bevölkerung und drängt Bürgermeisterin Eva Weber zum Handeln. Ein Kommentar

Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des Corona-Notsignals Augsburger Kulturmacher*­innen reagierte die designierte OB Eva Weber mit einer Pressemitteilung, in der sie beteuert: »Stadt lässt Kulturschaffende nicht allein!«

Geplant sind »Austauschgespräche über Bedürfnisse in der Szene«. Kurz danach gingen Einladungen an Vertreter*innen der Szenen zu einem ersten Gespräch Ende April – unter anderem an den Förderverein Ständige Konferenz, BBK, Kulturpark West, Bayerische Kammerphilharmonie, Staatstheater Augsburg, Sensemble Theater sowie Club- und Kulturkommission.

Die zukünftige Stadtregierung zeigt, wie ernst sie Anliegen aus der Kultur nimmt. Das alles vor dem Hintergrund der kürzlich propagierten Abschaffung eines eigenständigen Kulturreferats durch die CSU und die Grünen. Die Kritik der Kulturmacher*innen an dieser Politik ist ebenso scharf wie berechtigt. Sie entzündet sich vor allem an folgenden Punkten:

  • »Eine Kulturpolitik der Stadt Augsburg findet in der Corona-Krise nicht statt.«
  • »Das Kulturreferat der Stadt ist bis auf Weiteres führungslos.«
  • »Die von der CSU und den Grünen geplante Zusammenlegung von Kultur und Sport in einem Referat schmälert die Bedeutung der Kultur in Augsburg.«

Das von der a3kultur-Redaktion mitinitiierte Notsignalpapier zählte bereits kurz nach Veröffentlichung über 80 Kulturorte, Institutionen und Einzelpersonen als Unterzeichner*innen. Zusammen mit den Kritikpunkten und einem kurzen Forderungskatalog wurden von den Autor*innen des Notsignals einige konkrete Vorschläge erarbeitet und ins Rathaus geschickt.

Neben finanzieller Soforthilfe für Kulturschaffende und Institutionen behandeln sie das das Thema Corona-Notprogramm »Kultur«, wie es gegenwärtig in zahlreichen Städten aufgelegt wird. Sie thematisieren die Finanzierung über frei werdende Etats durch Einsparungen bei abgesagten Kulturevents wie der Langen Kunstnacht und stellen so eine Verbindung mit der Entwicklung einer Exitstrategie samt Kulturaufbauprogramm für die Post-Corona-Zeit her, und das mit Blick auf unsere gesamte Kulturregion.

Wichtig wäre vor diesem Hintergrund, Programmformate zu entwickeln, die auch bei Maskenpflicht und Beschränkungen der Besucherzahl funktionieren. Also Konzerte der Bayerischen Kammerphilharmonie vor 50 Zuhörer*innen im Kleinen Goldenen Saal, ein DJ-Set im H2 mit maximaler, gleichzeitiger Quote der Anwesenden und die Ausweisung eines Einkaufsetats für regionale Kunst. Basierend auf solchen Projekten könnte ein Wiedereinstieg in unser Kulturleben gelingen. Auch der Kulturbeirat der Stadt soll dabei eingebunden werden, nachdem sein Beschluss zur Corona-Krise von Anfang April über Wochen vom Rathaus ignoriert wurde.

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