Ausstellungen & Kunstprojekte

Der Nutzen von Vernissagen

Iacov Grinberg
1. Februar 2016

Schauspieler und Musiker, die ihre Kunst in Präsenz von Zuschauern/Zuhörern schaffen, wissen, wie wichtig »Qualität« und »Stimmung« im Saal sind. Ist diese »Qualität« und »Stimmung« auch für die Wahrnehmung von Bildern und Skulpturen, die schon geschaffen sind und bereit zum Anschauen hängen/stehen, wichtig? Die am 31. Januar im Abraxas stattgefundene Vernissage zur Ausstellung »Auf meine Art« von Peter Schlichtherle hat das für mich eindeutig bejaht.

Kunstwissenschaftler können diese Arbeiten eines Autodidakten als Ausläufer der Pop-Art bezeichnen, sie finden dort den Einfluss des einen oder anderen Großen dieser Artrichtung. Für mich erfüllen alle die dort ausgestellten »klassisch« gemalten 41 seiner Bilder (Öl auf Leinwand) eine wichtige Aufgabe der Kunst. Sie sind ein Spiegel, den der Urheber vor die Nase der Gesellschaft hält und sagt: »Liebe Gesellschaft, das ist eine deiner wirklichen Fratzen. Ich weiß, dass du bevorzugst, dich nach außen schön, mit Make-up in Design-Kleidung, zu präsentieren, aber das hier ist eines deiner wahren Gesichter.« Der Künstler, nach seinem Brotberuf ein Polizeibeamter, stößt oft auf viele der Fratzen unserer Gesellschaft.

Die Vernissage begann mit dem Augsburger Männerchor »Bismarck-Frohsinn« (er verdient eigentlich einen eigenen ausführlichen Bericht), in dem auch der Künstler mitwirkt. Mit sarkatsischen, ironischen Liedern hatten sie die Stimmung des Saals gut »erwärmt«, wie Musiker, die vor dem Auftritt einer berühmten Rockband den Saal »aufwärmen«. Und da das Publikum zumeist aus Menschen bestand, die das Schaffen von Peter Schlichtherle oder ihn persönlich kennen und schätzen, herrschte im Saal eine gehobene Stimmung, die den Zuschauern eindeutig geholfen hat, seine sehr guten Arbeiten begeistert wahrzunehmen.

Lieber Leser! Die Vernissage und ihre Stimmung wird natürlich nicht wiederholt. Aber Sie haben trotzdem die Möglichkeit, diese gesammelten Arbeiten in hoher Qualität anzuschauen. Dies geht am Sonntag, den 7. Februar, um 11 Uhr. Viele Besucher der Vernissage werden wieder da sein. Für die gute Stimmung sollte der Künstler, der an diesem Tag eine Führung durch die Ausstellung anbietet, selbst sorgen. Das gelingt ihm in der Regel immer.
(Iacov Grinberg)

Die Ausstellung ist bis zum 3. März zu sehen.

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