Ein offenes Haus

13. Juli 2016 - 8:03 | Martin Schmidt

Die Kammgarnmoschee im Textilviertel. Ein Porträt von Martin Schmidt

Bekannt ist die im Textilviertel gelegene Selimiye-Moschee unter dem Namen Kammgarnmoschee. Untergebracht im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Kammgarnfabrik in der Schäfflerbachstraße 30, wurde sie 1974 gegründet, seit 2009 ist die Glaubensgemeinschaft Eigentümer des Gebäudes. Begonnen hatte alles mit dem Wunsch muslimischer Mitarbeiter der Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) nach einem Gebetsraum, den das Unternehmen ihnen gewährte.

Ali Akce ist 1. Vorsitzender der DITIB Türkisch-Islamischen Gemeinde von Augsburg. Er führt durch das erst vor knapp sechs Monaten fertiggestellte neue, moderne Treppenhaus der Moschee, das die mittlerweile alle drei genutzten Stockwerke verbindet. Im obersten Stock befindet sich der Gebetsraum. 400 Gläubige füllen ihn beim wichtigen Freitagsgebet. Die dunkelbraunen, hölzernen Stütz- und Querbalken des ehemaligen Dachbodens prägen einen schön gestalteten Saal, dessen Wände von weißen, blau-rot verzierten Kacheln geschmückt sind. Den roten Teppichboden, die großen goldenen Kronleuchter und die mit Holzschnitzereien verzierte Tür hat die Gemeinde eigens aus der Türkei liefern lassen.

Im Erdgeschoss befindet sich ein Vereinslokal, im Mittelgeschoss die Büroräumlichkeiten. Im Erdgeschoss zeigt eine LED-Tafel die Gebetszeiten, ein Lautsprecher überträgt den Gebetsruf des Imans aus dem Gebetsraum. Umgebaut wurde das ganze Haus in ehrenamtlicher Eigenarbeit. »Keine einzige Firma war hier im Haus«, erzählt Ali Akce stolz. »Entkernt, renoviert, gemalert – das haben wir alles selbst.« Ein paar Schritte von der Moschee entfernt befindet sich noch ein großer Veranstaltungsraum, den die Gemeinde an alle Interessenten vermietet. Wichtig ist Akce: »Wir sind ein offenes Haus, wir sind keine ›Hinterhofmoschee‹. Wir machen hier nichts Verbotenes. Wir freuen uns über jeden Gast, jeder ist auch in unser Vereinslokal eingeladen.«

Die Gemeinde unter Iman Faruk Aydin hat – Kinder und Jugendliche nicht mitgerechnet – 350 Mitglieder aus Augsburg und Umgebung. Zu ihnen zählen auch zwei deutsche Konvertiten, die zum muslimischen Glauben übergetreten sind. Der Altersdurchschnitt liegt bei 30 bis 35 Jahren. Der Frauenanteil in der Gemeinde liegt bei leicht über 50 Prozent. Die Frauen haben einen eigenen Gebetsraum. Im siebenköpfigen Vorstand des Vereins sind zwei Frauen vertreten.

Die Kammgarnmoschee zählt zum türkisch-staatlichen Dachverband der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), zwei weitere Moscheen des Verbands sind in Augsburg, andere in Aichach, Bobingen, Friedberg und Königsbrunn. Architektonisch bildet das Moscheegebäude einen interreligiösen Brückenschlag: Es wurde vom selben Architekten (Jean Keller, 1844 – 1921) errichtet, der auch das Mutterhaus der Evangelischen Diakonissenanstalt und deren Kapelle erdachte.

Foto: Der 1. Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde von Augsburg Ali Akce (links) im Gespräch mit Iman Faruk Aydin im Gebetsraum der Kammgarnmoschee im Textilviertel. (Foto: Susanne Thoma | a3kultur)

Die Kammgarnmoschee ist eines von sechs Gotteshäusern, mit denen sich Reinhard Gupfinger im Rahmen seiner Artist-in-Residence-Zeit in Augsburg künstlerisch auseinandersetzen wird. www.welcome-in-der-friedensstadt.de

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