Oh Captain! Mein Captain!

Oh Captain! Mein Captain!
28. August 2014 - 0:00 | Thomas Ferstl

Projektor. Eine Kolumne von Thomas Ferstl.

Unvergessen sind die Worte des amerikanischen Dichters Walt Whitman aus dem Mund von Schauspieler Robin Williams im Intelekutellenepos »Der Club der toten Dichter«. Am 11. August nahm sich der Oskarpreisträger, laut Polizeiaussage, selbst das Leben. Der vermutliche Auslöser: Depressionen. Deshalb an dieser Stelle ein persönlicher Nachruf.

Es ist paradox, dass ein Mensch, der Millionen andere zum Lachen bringt, depressiv ist. Von Paradoxa war aber auch Williams künstlerisches Leben geprägt. Seine Rollen umfassten zum Schreien komische Charaktere in Filmen wie »Mrs. Doubtfire» und »Flubbe»r, heiter - ernste Figuren in »Hook« oder Good Morning, Vietnam und tief bewegende Darstellungen wie zum Beispiel in »Der Club der toten Dichter», »Good Will Hunting« oder »Jakob der Lügner«. Persönlich war ich von dieser Todesnachricht ergriffen, da ich eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen mit Robin Williams verbinde. Ich muss circa sieben Jahre alt gewesen sein, als ich »Mrs Doubtfire« im TV sah. Sein Spiel als sechzigjähriges Kindermädchen hat mich schon damals fasziniert und zum Lachen gebracht. Doch erst Jahre später, in mittleren Jugendjahren, konnte ich Williams Talent vollständig wertschätzen. Vor allem seine ernsteren Rollen, die aber immer eine humoreske Seite aufwiesen. die Williams kaum wie ein anderer kunstvoll zu verbinden wusste, liebe ich besonders. Als unkonventioneller Englischlehrer John Keating in »Der Club der toten Dichter«, von seinen Schülern auch Captain genannt, hat er mir mehr über Poesie beigebracht als so mancher Deutschlehrer. Unvergessen bleiben wird mir auch seine rührende und zugleich komische Rolle als Will Huntings Psychologe in Gus Van Sants »Good Will Hunting«. für die er zu Recht einen Oscar erhielt. Ein makabrer Zufall will es nun, dass die Filme, die ich Ihnen diesen Monat vorstelle, den Tod zum Thema haben.

Uberto Pasolinis »Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit« (4. September, Kinodreieck) dreht sich um Funeral Officer John May (Eddie Marsam). In seiner Position kümmert er sich um würdevolle Beisetzungen von einsamen Menschen, sucht nach Hinterbliebenden und schreibt sogar mit Hingabe Trauerreden für Beerdigungen, zu denen oft niemand kommmt, außer ihm. Als seine Stelle Sparmaßnahmen zum Opfer fällt setzt der nun Arbeitslose alles daran, seinen letzten Fall zu lösen. John macht sich auf die Suche nach Hinterbliebenden seines Nachbarn Billy Stoke, der einsam in der Wohnung gegenüber verstarb. Eine rührende Tragikkomödie, die einen hinter die Kulissen einer sonderbaren Branche blicken lässt.

»Sin City: A Dame to kill for« (18. September, Cinemaxx) trägt den Tod beziehungsweise das Töten bereits im Namen. Als Liebhaber von Autorencomics freue ich mich besonders auf diesen Film. Er ist keine dieser typischen knallbunten Comicverfilmungen á la Marvel oder DC. Dafür ist Comicautor Frank Miller auch nicht bekannt. Bereits in den Achtzigerjahren schuf er die Vorlage für Christopher Nolans dunkel gestimmte Batman - Verfilmungen. Doch dieser zweite Teil ist wie sein Vorgänger »Sin City« nicht nur dunkel, sondern schwarz. Besser gesagt: schwarz - weiß. Einige Details wie Augen, Lippen oder Blut sind jedoch farbig dargestellt. Allein diese Optik macht Robert Rodriguez´Film zu einem Hingucker. Ebenfalls wie bereits im ersten Teil ist die Story in mehrere Kapitel gegliedert und verworren. Kurz gesagt geht es um Verrat und Rache. Beteiligt beziehungsweise verantwortlich für die Geschehnisse sind einige flotte junge Damen. Dies erklärt den Untertitel. Sollte Sie das noch nicht überzeugt haben, ändert das vielleicht die Beatzungsliste. Zu sehen sind unter anderem Leinwandgrößen wie Eva Green, Jessica Alba, Bruce Willis, Josh Brolin und Mickey Rourke.

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