Persönliche Porträtstudien

26. Juli 2017 - 17:13 | Iacov Grinberg

Das Grafische Kabinett zeigt die Ausstellung »Der Pressezeichner Emil Stumpp – Pazifist und Chronist seiner Zeit«.

Der Volksmund behauptet, dass auf dieser Welt nichts mehr veraltet ist, als eine Zeitung von gestern. Damit hat er nicht unrecht, da viele Schlagzeilen nach einigen Monate, wenn nicht sogar Tagen, in tiefe Vergessenheit geraten. Hier verbirgt sich aber eine Gefahr: Wer seine Vergangenheit nicht kennt, gefährdet Gegenwart und Zukunft. Gegen diese Vergessenheit kämpft unter anderen auch die Stiftung Deutsches Zeitungmuseum, in Zusammenarbeit mit dieser präsentieren uns die Kunstsammlungen und Museen Augsburg den Pressezeichner Emil Stumpp, der in den 20er- und 30er-Jahren wirkte.

Einerseits erinnert uns der Beruf des Pressezeichners an Zeiten, als Fotos in der Presse eine untergeordnete Rolle spielten. Zunächst war es technisch nicht möglich, Fotos mit ausreichend guter Qualität auf ein Zeitungsblatt zu bringen. Auch später hatten Zeichnungen in der Presse eine feste Position. Einerseits brauchte man für Aufnahmen meistens einen sehr lauten und verblendenden Magnesiumblitz, was für die aufgenommene Veranstaltung störend sein konnte. Andererseits war fotografieren häufig schlicht verboten, was auch heute noch in Gerichten der USA der Fall ist. Auch offizielle Personen möchten keinesfalls in einigen nicht von ihnen genehmigten Posen mit einem entsprechenden Gesichtsausdruck dem breiten Publikum präsentiert werden.

Im Zeichnen war Emil Stumpp, abgesehen von einem Semester an der Kunstgewerbeschule, ein Autodidakt. Er war so erfolgreich, dass er 1924 (als Vater von fünf Kindern!) die sichere Stelle an einem Königsberger Gymnasium mit der risikoreicher Existenz eines freischaffendes Künstler eintauschte. 1926 schloss er einen gut dotierten Vertrag mit dem Dortmunder General-Anzeiger ab.

Seine zeichnerische Begabung war sehr schnell sichtbar und anerkannt, mit seinen einfühlsamen Porträtstudien prominenter Zeitgenossen wurde er bald zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Pressezeichner der Weimarer Republik. Ausgerechnet diese Porträtstudien machen den Kern der Ausstellung aus. Viele von ihnen sind mit Autogrammen der porträtierten Personen versehen. Sie sind meistens wesentlich mehr als nur Pressezeichnungen. Einige wie das Porträt von Käthe Kollwitz sind für sich selbst genommen Meisterstücke. All diese Werke spiegeln nicht nur das Antlitz der Porträtierten wider, sondern ihre Persönlichkeit.

Die dargestellten Personen sind Maler, Schauspieler, Schriftsteller, Journalisten, Wissenschaftler, Sportler. Am meisten hat mich die kleine Reihe der Staatsmänner beeindruckt, die wir gewöhnlich schon als Bronzebüsten kennen. Auf diesen Zeichnungen sind sie keine Statuen, sondern wirken wie lebendige Menschen aus Fleisch und Blut.

Besuchen Sie unbedingt diese Ausstellung! Dies ist noch bis zum 12. November möglich. Bewundern Sie diese wunderbaren Porträts und erkennen dabei, wie einige Ihnen vielleicht gut bekannte Personen damals aussahen.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Foto: Konrad Adenauer (1876–1967). Hier im Jahre 1926 als Oberbürgermeister von Köln dargestellt. Dieses Amt hatte der damalige Zentrumspolitiker und spätere Bundeskanzler von 1917 bis 1933 inne.

 

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