Plakativ scheitern

19. Januar 2017 - 18:27 | Jürgen Kannler

Kulturmacher beklagen Realitätsverlust bei Stadtverwaltung und Politik. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Mit kommunaler Außenwerbung wird viel Geld verdient, auch in Augsburg. Das Recht zur Vermarktung der Plakatwände, Litfasssäulen, Citylights und Plakatständer erwerben in der Regel große, zumindest überregional agierende Agenturen. Dieser Rechteverkauf kann je nach Verhandlungsgeschick der Städte eine fröhlich sprudelnde Einnahmequelle für die Kommunen sein.

In Augsburg wurde dieses Geschäftsmodell seit Beginn der Nullerjahre vom damaligen OB Wengert genutzt, um seine Idee einer Augsburg AG mit einem Millionenetat zu finanzieren. Dieses Projekt ging mit dem SPD-Mann unter. Die AG firmiert unter dem jetzigen OB Gribl als Regio Augsburg Wirtschafts GmbH und soll zukünftig eine starke Rolle im Stadtmarketing spielen. Um das Projekt nach vorn zu bringen, wechselt Ekkehard Schmölz, bisher Chef im städtischen Medien- und Kommunikationsamt, in die kommunale GmbH. Sein Etat soll über die Mittel aus der Außenwerbung gesichert werden. Der Vertragspartner wurde über eine internationale Ausschreibung ermittelt und der Zuschlag fiel erneut auf die in Augsburg verwurzelte Unternehmensgruppe Günther + Schiffmann. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Empörung und scharfe Proteste bei den Kulturprogrammmachern der Region rufen jedoch die Bedingungen hervor, unter denen sie in Zukunft ihre Projekte via Außenplakatierung noch kommunizieren können. So wird die Zahl der relevanten Plakatstellen massiv begrenzt und für Kulturorte mit einer Kapazität über 500 Besuchern gilt ein generelles Werbeverbot mit diesen Medien. »Diese Regelung geht komplett an der Realität vorbei«, befindet beispielsweise die Augsburger Club & Kulturkommission.

Nun rudert die Stadt zurück und bietet den Kulturmachern Gespräche an. Zu spät, wie auch Branchenkenner befinden, die darauf verweisen, dass der neu verhandelte Vertrag nachträglich nicht ergänzt werden kann, ohne unterlegene Mitbieter auf einen für die Stadt risikoreichen und kostspieligen Klageweg zu bringen.

Wieder einmal hat die Stadt dabei versagt, ihre Bürger bei wichtigen Entscheidungsprozessen rechtzeitig ins Boot zu holen. Es scheint, als sei das von der Stadtspitze seit geraumer Zeit angekündigte Zeitalter der neuen Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern in den Amtsstuben noch nicht angebrochen. Dabei lag zumindest dem bei der Vertragsentwicklung federführenden Baureferat mindestens zwei Jahre vor Vertragsabschluss eine Einladung von lokalen Kulturmachern vor, das Projekt zu diskutieren und nach neuen Möglichkeiten für die Kultur bei der Außenwerbung zu suchen. Diese Option wurde ausgeschlagen, wohl auch aus einer gewissen Überheblichkeit der Verantwortlichen heraus. Ein dummer Fehler, wie sich heute zeigt. In Sachen Außenwerbung ist die Stadt, wieder einmal, plakativ gescheitert.

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