Playboy

5. Mai 2015 - 15:00 | Jürgen Kannler

Gelungene Uraufführung im Hoffmannkeller gefällt zum Glück nicht allen.

Es ist noch nicht wirklich lange her, da hoppelten niedliche rosa Karnickel quer durch die Augsburger Galerie- und Off-Szene. Kunststudenten nutzten die plüschige Verkleidung, um auf die Harmlosigkeit des Kulturbetriebs hinzuweisen. Verkleidung kann ein probates Mittel sein, um aufzufallen, aber auch um in der Anonymität zu verschwinden. Sie birgt die Möglichkeit, dem Ich zu entfliehen oder ihm eine Chance zu geben. Was letztendlich einen Anhänger des Furry-Fetisches dazu treibt, sich sexueller Abenteuer wegen in Tierfelle zu hüllen, möge sein süßes Geheimnis bleiben. Ein Geheimnis das der serbische Gangster Stevan Zecevic nicht für sich behalten kann. Alexander Darkow (Foto) überzeugt als sympathischer, dampfplaudernder Schwachkopf ohne jede Moral einmal mehr das Publikum.

Als mittelgroßes Licht der Belgrader Unterwelt führt er in seiner Welt ein sadistisches Regime. Vielleicht aus Selbstekel schlüpft er in ein Hasenkostüm. Bald jedoch lassen sich seine brutal cholerischen Anfälle auch vom Plüsch nicht mehr bändigen. Er macht Fehler, fällt bei seinem Paten in Ungnade und wird nun seinerseits Opfer von Demütigung und Folter. Als letzte Chance bietet sich ihm der Einstieg in die Politik. Die Nationalistische Partei sucht einen neuen Führer und das Häschen bringt alles mit, was von einem Mann in dieser Position erwartet wird.

Katrin Plötner inszeniert das lebendige Kammerspiel zielsicher in den Schlauch des Hofmannkellers. Unterstützt wird sie dabei von Anneliese Neudecker, die beim Splatter-Spaß für Bühne und Kostüme verantwortlich ist. Natürlich wird die blutige Uraufführung des Stücks von Marijana Verhoef nicht allen gefallen, aber das muss es ja auch nicht. Wer bei Tarrantinos Filmen lachen kann und sich für Mechanismen der Politik interessiert, ist bei Playboy genau richtig. Das neben Darkow auch Helene Blechinger und Sebastián Arranz mit einigen Figuren glänzen, zeigt die Qualität des Ensembles. Das Stück der Serbin Verhoef ist ein scharfe Ladung Zeitkritik, in der Themen wie Menschenhandel, Feminismus, Korruption und Gewalt nie selbstgerecht, aber spielerisch behandelt werden. Kein Wunder, dass man die Autorin am Tag nach der Premiere bei strömenden Regen gut gelaunt bei der Kundgebung zum 1. Mai traf. 

www.theater-augsburg.de

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