Poesie des Alltäglichen

24. Mai 2019 - 9:30 | Iacov Grinberg

»im Gelände« – bis zum 18. Juli zeigt Jochen Eger urbane Fotografien im Kaffeehaus Dichtl.

Jochen Eger ist für das Augsburger Publikum kein Unbekannter: Er ist aktives Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK). Eger beschäftigt sich mit urbaner Fotografie, seine Arbeiten kann man sowohl im Rahmen von Ausstellungen des BBK als auch in verschiedenen kleinen Galerien oder an Wänden von Cafés/Restaurants sehen, wie bei der aktuellen Schau im Kaffeehaus Dichtl. Sein Schaffen ist wesentlich größer als die 26 dort ausgestellten Arbeiten, sie sind aber repräsentativ.

Bei einer Vernissage sind in der Regel viele Künstler dabei, die das Schaffen ihrer Kollegen nach ihren (strengen) Kriterien einschätzen. Nicht selten hörte ich „Banalität“. Und wirklich, es gibt keine exotischen Landschaften, keine ungewöhnlichen Personen, keine heute modische Unschärfe, keine bunten Farben. Abgebildet ist das, was wir sehr oft nicht bemerken. Wir hasten von A nach B durch die Stadt, unsere Gedanken sind beschäftigt mit dem, was bei A geschah oder was uns bei B bevorsteht. Die Stadt bleibt ein unbemerkter Hintergrund.

Dies erinnerte mich an ein familiäres Ereignis. Unsere Tochter – damals Drittklässlerin – kehrte an einem Oktobertag aus der Schule zurück und führte uns nach Draußen. Dort zeigte sie uns, was für bunte Farben man an einem Baum sehen kann. Ihre Grundschullehrerin führte die Klasse im Schulhof herum und forderte sie auf, ruhig zu stehen und zu schauen: Was für eine prächtige Farbpalette mit vielen Nuancen erschien an den für sie gewöhnlichen Bäumen, was für ungewöhnliche Figuren bilden die Risse an dem Putz der Schulwände. Seit diesem Tag stoppte unsere Tochter während unserer Spaziergänge, um uns zu zeigen wie besonders die Wolken aussehen, wie schön der Schnee auf den Ästen liegt. Die Lehrerin hatte unserer Tochter die Augen eröffnet. Auch Jochen Eger geht mit offenen Augen durch die Stadt.

Nach den Worten des BBK-Vorsitzenden Norbert Kiening geht Eger ständig Gassi, aber nicht mit einem Hund, sondern mit seiner Kamera. Seine Aufmerksamkeit ziehen sowohl große Gebäude als auch alte Steine am Sockel eines alten Monumentes, Rundfunkutensilien am Balkon, verlassene Kinderwagen, Risse und Inschriften am Putz an. Seine Arbeiten an den Wänden des Kaffeehauses Dichtl freuten mich als leise Poesie des Alltäglichen, die dank einer künstlerischen Sicht auf Fotopapier fixiert ist.

Sie können diese Arbeiten noch bis zum 18. Juli bewundern.

www.dichtl.de/kultur/index.php

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