Popsessel, Twang-Thron, Krabbeldecke

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30. Oktober 2016 - 7:59 | Martin Schmidt

Die Sitzgelegenheit Pop ruft zum Platznehmen. DAS Hobos und Benni Benson präsentieren neues Material, »uh Baby!« rufen Holly Golightly, Stonerrock und das Erste Bobinger Babykonzert.

Die Tanzverbot-App auf Ihrem Smartphone verrät es: zweimal Tanzverbot im November (#volkstrauertag, #totensonntag). Manche glauben schon, es ist Volkstrauertag, weil das Tanzen verboten ist. Wieder andere glauben, die Straßenbahn kommt immer erst dann, wenn genügend Leute an der Haltestelle warten und – so die sogenannte Kraftfeldtheorie – die Tram durch ihr geballtes Warten anziehen. Die »Mischpult«-Kolumne beschäftigt sich mit der Theorie, dass Bands erst auftreten, wenn sie (*Spoileralarm*) die Bühne betreten haben. Details? Lesen Sie selbst:

Brav, guter November: Die »Roy«-Preisträger 2015 DAS Hobos gehen mit neuem Material wieder auf Tour. Und Start der vom »Zündfunk« präsentierten Bayern-Klangreise ist Augsburg: im Kulturhaus Kresslesmühle am Mittwoch, 9. November (Einlass: 20 Uhr, Beginn: 20:30 Uhr). DAS Hobos sind die Lässigen, die in der Indie-Lounge entspannt auf der Couch abhängen. Die sich als Klangselfie ihren eigenen Soundtrack dazu schreiben und Konzerte nicht spielen, sondern rauschillen. Auch die neue 7-Inch »Cash only« dokumentiert, wie die Augsburg-Münchner Band Melancholie mit schlauer Produktionsfinesse verquickt. DAS Hobos sind in der Pop-Lounge ein mit weinrotem Samt überzogener, wunderschöner Ohrensessel, in dessen Sitzfläche noch kein Mainstream-Arsch gepupst hat. Is’ doch n krasses Argument!

Sixties in the City

Vom Pop-Ohrensessel zum Twang-Thron: Die Queen des englischen Twang kommt nach Augsburg. Die Rede ist von Holly Golightly & Band. Nach mehr als acht Jahren tourte die geborene Engländerin im Frühjahr 2016 wieder in Europa, im Herbst geht die Tour nun weiter und führt die Sixties-Garage-Pop-Diva plus Band am Donnerstag, 10. November, in den City Club. Wer auf den typischen Twang-Gitarrensound, English Pop, Folk und 60ies steht, dem sei der Besuch des Konzerts empfohlen. Weitere Überzeugungsarbeit: Jack White schrieb die Liner Notes für Holly Golightlys 2003er-Album »Truly She Is None Other« und zwei Songs von Holly Golightly waren auf dem Soundtrack zu Jim Jarmuschs »Broken Flowers« zu finden. Und ja, natürlich: Das Pseudonym der Sängerin stammt von der von Audrey Hepburn gespielten Hauptprotagonistin aus dem Film »Breakfast at Tiffany’s« (1961).

Tsunaham Zunami

Viele wundern sich, warum in popaffinen Facebook-Kreisen gerade so oft ein 70er-Schwarz-Weiß-Bild von Barry Gibb oder auch Abbildungen des Turiner Grabtuchs gepostet und geteilt werden. Die Lösung lautet: Die Bilder zeigen weder den Bee-Gees-Sänger noch das ominöse Grabtuch, sondern Benni Benson (Foto), wie er als Porträt auf seinem Debütalbum »Alles ist ehrlich« abgebildet ist. Braucht man ne Weile, aber dann erkennt man’s. Der Augsburger Singer/Songwriter und 2013er-»Roy«-Preisträger präsentiert am Freitag, 4. November (20 Uhr), im Theater des Kulturhauses abraxas seine durch Crowdfunding finanzierte Platte. »Alles ist ehrlich« ist das Longplayer-Debüt nach der vor vier Jahren erschienenen EP »Für etwas wirklich brennen«. An den Reglern saß auch Tom Körbler, Live Sound Engineer u.a. von den Beatsteaks. Die Songs sind merklich gereift und Benson schafft es, ihre unaufgeregten Momentaufnahmen vom jugendlichen Selfie zum verbindlichen Polaroid zu wandeln. Instagram in Sepia, melancholisch und radiostark zugleich, und dazu die mutige Slo-Mo-Single »Tsunami«. Textlich einfach, produktionstechnisch unauffällig großartig gearbeitet, leuchtet es tief und musikalisch oft überraschend.

Come on, baby

Neu in Augsburg ist die Konzertreihe »The Riff Filled Land«, die sich in der Ballonfabrik dem homogenen Genre-Cluster Stoner, Psych und Doom widmet. Start für Fuzz, Riffs und Smoke ist am Freitag, 25. November, mit dem Dreierpackage aus Dune Pilot (Stoner, München), Sleeping tree (Stoner/Psych/Doom, Augsburg) und tortuga (Grunge, Augsburg). Doors: 20 Uhr, Beginn: 20:30 Uhr. Und weil speziell junge Eltern gar keine Musik, sondern
einfach nur ein nächtens durchschreiendes Baby brauchen, um sich effektiv psychedelisiert und stoned zu fühlen, hier noch was ganz Süßes: Am Mittwoch, 2. November, findet in Bobingen das »Erste Bobinger Babykonzert« statt. Im Rahmen der Kinderkulturtage gibt es Klassik für Kleinkinder mit einem Streicherensemble (Leitung: Kulturpreisträger Ludwig Schmalhofer). Kleinkind-orientated Konzertzeit ist 15 Uhr (Einlass: 14:30 Uhr); die babyleicht zu findende Location ist die Mittlere Mühle in Bobingen. Eintritt für Erwachsene: 10 Euro, Babys und Kleinkinder haben freien Eintritt. Das Mitbringen von kleinen Krabbeldecken und Kissen für die Kids ist erlaubt und empfohlen.

Foto: Maximilian Stephan

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