Politik & Gesellschaft

Prinzip Baustelle

Gast
3. Februar 2016
abraxas

Dass Kunst nicht besser wird, wenn sie sich im Fertiggestellten ausruht, ist eine Binsenweisheit. Sich als »Baustelle« (oder »Labor«, »Teststrecke« bzw. »Experimentierfeld«) zukünftiger Möglichkeiten zu verstehen, sollte daher zum Selbstverständnis jeder Kultureinrichtung gehören.

Weil Kultur Räume braucht, gehört dazu auch, ganz unmetaphorisch, der Erhalt bzw. die Bereitstellung von Bausubstanz. Im Fall des Kulturhauses abraxas, das seit 1995 vom Kulturamt der Stadt Augsburg betrieben wird, ist diese Bausubstanz denkmalgeschützt. Bauliche Infrastruktur sowie Ton- und Lichttechnik des Hauses werden von der Stadt Augsburg instand gehalten. Für einen seit zwanzig Jahren unveränderten Tarif steht das Haus als Mietbühne freien Veranstaltern zur Verfügung. Die Stadtverwaltung ist hier nicht wertender Kurator, sondern Dienstleister und Ermöglicher für Diversität: Wer sich von dem Motto »Culture is what we make it« (Sleater-Kinney) angesprochen fühlt, findet im abraxas (unter Tel. 0821 324-6356) ein offenes Ohr.

Daneben beherbergt das Kulturhaus seit rund 20 Jahren die Produzentengalerie des Berufsverbands Bildender Künstler, Ateliers, eine Musikschule und Bandübungsräume. Mit diesem Modell, unterschiedliche kulturelle Nutzungsformen auf einem Areal zu bündeln, wurde das abraxas zur Blaupause (oder zum »Mutterschiff«) für den Kulturpark West und die kulturelle Erschließung des Gaswerks Oberhausen. Ein Beleg für die kreativen Impulse, die aus der Zusammenarbeit mehrerer solcher Kulturbaustellen resultieren, ist die im Dezember 2015 erfolgreich gestartete neue Reihe »Mothership Connection«, die KünstlerInnen aus dem Kulturpark West im abraxas präsentiert (nächster Termin am 1. April ab 19 Uhr mit Vernissage von Frauke Wichmann sowie einem vom KUKI e.V. veranstalteten Konzert der Creeping Candies und weiterer Bands unter dem Motto »Augsburg City Beatz«).

In Bezug auf die Erschließung des Augsburger Westens für kulturelle Nutzungen war das abraxas aber nicht nur das historische Pionier-Mutterschiff. Aufgrund seiner zentralen Lage zwischen Kriegshaber, Oberhausen und Pfersee ist es prädestiniert für die Funktion als zentraler »Baustein« zukünftiger Kooperationen im Augsburger Westen. Durch den Wandel im städtebaulichen Umfeld – mit dem neuen Reese-Park hat das abraxas heute eine ganz andere Nachbarschaft als noch vor drei Jahren – wachsen dem Haus auch neue Potenziale und Aufgaben als soziokulturelles Stadtteilzentrum zu. Eine große Baustelle ist deshalb 2016 das 100-jährige Jubiläum der Eingemeindung Kriegshabers in die Stadt Augsburg. Das abraxas beteiligt sich daran unter anderem mit einer Fotoausstellung zur Geschichte des Stadtteils (Vernissage am 4. Mai um 19 Uhr im Ballettsaal) und als Baustein des Musikfestivals »In 86156 spielt die Musik!« am 18. Juni. Von nachmittags bis nachts wird sich Kriegshaber an jenem Samstag als das Stadtviertel mit der deutschlandweit höchsten MusikerInnen-Dichte präsentieren – auf den Bühnen von abraxas, Bombig, Kantine und Spectrum sowie in den Jugendzentren r33 und Madison.

Neben seinen anderen vielfältigen Aufgaben prägt vor allem eines das Profil des abraxas: seine Rolle als Kinder- und Jugendkulturzentrum der Stadt Augsburg. Das Kulturhaus ist die feste Spielstätte der freien Kindertheater Das Märchenzelt, FaksTheater, Junges Theater Augsburg, Klexs Theater, Moussong Theater mit Figuren und Theater Fritz und Freunde. Im Rahmen der 1. Augsburger Kinder- und Jugendtheaterwochen von 6. bis 20. März treten sie in einem gemeinsamen Format auf, das erstmals auch Gastspiele von Kindertheater-Produktionen des Theaters Augsburg im Kulturhaus abraxas einschließt. Mit dem designierten Intendanten André Bücker sind die TheatermacherInnen aus dem abraxas bereits über künftige Weiterentwicklungen des Augsburger Kindertheater-Angebots im Kontakt. Auch zur gesamtstädtischen Großbaustelle »Zukunft der Theaterlandschaft« trägt das Kulturhaus abraxas somit kreative Bausteine bei.

Gerald Fiebig war im abraxas als Mitveranstalter der Reihen »Let there be Rock« und »echokammer« sowie als Akteur beim lab30 tätig. Seit Juli 2015 leitet er das Haus. 

Foto: Mit diesem Motiv warb das Kulturhaus abraxas im vergangenen Sommer für sein 20-jähriges Jubiläum.


In unserer Printausgabe #02/2016 präsentieren wir die wichtigsten Kulturbaustellen der Region. Insgesamt
16 Kulturmacher haben hierzu Gastbeiträge beigesteuert.

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