Profit und Macht als Triebfeder

28. November 2017 - 11:55 | Dieter Ferdinand

In der Brechtbühne führt das Theater Augsburg Dieter Fortes Stück »Martin Luther & Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung« auf.

»Einer demokratischen Gesellschaft steht es schlecht zu Gesicht, wenn sie auch heute noch in aufständischen Bauern nichts anderes als meuternde Rotten sieht«, so Bundespräsident Gustav Heinemann 1970. Ein Jahr später wurde Fortes Stück in Basel uraufgeführt.

Die Vorgeschichte des Bauernkrieges hat Maik Priebe als teils satirisches Theater auf dem Theater inszeniert: wenige Requisiten, im Mittelpunkt ein aufklappbarer Wagen. Um ihn lärmendes, tanzendes Volk, vor ihm und in ihm geistliche und weltliche Herren, die ihre Fäden ziehen. Auf dem Wagendach steht Jakob Fugger, dem Zahlen wichtiger sind als Menschen. Der von ihm organisierte Ablasshandel greift die Höllenangst auf und bringt Geld ein. 1519 finanziert Fugger durch Bestechung der kurfürstlichen Wahlmänner die Wahl Karls V. zum deutschen Kaiser.

Martin Luther hat Thesen gegen den Ablass verfasst. Friedrich von Sachsen fordert ihn auf, sie zu veröffentlichen. Seine Absicht, ihn sich gefügig zu machen, schlägt fehl, weil dieser seinen eigenen Kopf und Glauben hat. Luthers (Flug-)Schriften werden im Volk bekannt und entfalten ihre eigene Dynamik. Sein Gegenspieler Thomas Münzer betont die politische und soziale Dimension des Evangeliums. Er ruft zu Reformen, später zum bewaffneten Kampf auf. Luther hetzt gegen ihn.

Nach der Pause summen Gestalten in Schlafkleidung Trauerlieder auf die Opfer des Massakers an den Bauern. Fugger dagegen hat trotz Chaos riesige Gewinne gemacht. Die folgenden Zitate sind ohne Vorwissen schwer zuzuordnen, weil sie von wechselnden Darsteller*innen gesprochen werden. Sie stammen vor allem von Münzer und Luther. Dieser hetzt gegen die Juden bis hin zum Gewaltaufruf. Er sagt auch: »Ich habe alle Bauern erschlagen, ihr Blut klebt an meinem Hals.« Über Münzers Enthauptung wird berichtet. Am Ende das Lied »Ein feste Burg ist unser Gott«. Im Textbuch steht vor dem Lied die Anbetung des Kapitals durch Fugger und seinen Buchhalter Matthäus Schwarz. Sie war gestrichen worden.

Lob dem Ensemble, begeistert gespendeter Applaus.

Nächste Termine: 2., 9., 15., 16., 23., 26. und 29. Dezember sowie weitere Aufführungen bis Anfang Februar.

www.theater-augsburg.de


Foto (Jan-Pieter Fuhr): Sebastian Müller-Stahl als Kardinal Cajetan, der Luther in Augsburg verhörte (links), Andrej Kaminsky als Jakob Fugger (Mitte) und Kai Windhövel als Friedrich von Sachsen (rechts)

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