Per Rad vom goldenen Augsburg zu den Silberminen

27. August 2020 - 9:38 | Marion Buk-Kluger

Auf den Spuren der Fugger in Europa und auf dem Weg zu 500 Jahren Fuggersche Stiftungen 2021.

Der kometenhafte Aufstieg des Augsburger Montankonzerns, der die Fugger so reich werden ließ, dass sie Kaisern, Königen, Kurfürsten und Kardinälen Kredit gewähren und zudem eine Stiftung ins Leben rufen konnten, geht aber auch auf Tiroler Startkapital, Bergknappen und Bergsegen sowie Erz und innovatives Ingenieurwissen aus der heutigen Slowakei zurück.

Eine 2019 von der Regio Augsburg Tourismus GmbH initiierte Kulturreiseroute – die »Europäische Fuggerstraße« – führt nun in die einstigen Bergbauzentren der Augsburger Familie, die nicht nur die kunstsinnigen und baulustigen »deutschen Medici« waren, sondern aus heutiger Sicht vor allem die »Krupps der Frühen Neuzeit«. Denn was um 1490 mit Gold- und Silberbergbau im Salzburger Land begann, endete 1663 mit letzten Grubenanteilen am Schneeberg bei Sterzing. Neben Kupfer machten die Fugger mit Silber und Blei, Quecksilber und Eisen, Gold, Zinn und Zink ihr legendäres Vermögen.

Die Idee, aus dieser Erfolgsstory eine europäische Tourismusroute entstehen zu lassen, hatte Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck bereits seit 2003. Der Besuch einer Delegation aus dem slowakischen Banská Bystrica in Augsburg gab 2018 den entscheidenden Anstoß zur Umsetzung.

Banská Bystrica – das frühere Neusohl – war nämlich eine der deutschen Bergbaustädte im damaligen Königreich Ungarn. Daneben sind Hall, Schwaz und Sterzing in Tirol sowie Bad Hindelang im Oberallgäu weitere Reiseziele an der »Europäischen Fuggerstraße«, die natürlich auch in die Fuggerstadt Augsburg führt.

Kulturreiseroute mit Tiefgang

Die neue Kulturreiseroute hat Tiefgang – nicht nur, weil man in Schaubergwerken in Schwaz und Sterzing etliche Hundert Meter tief in das Dunkel der Erzabbaustollen eintaucht. Die Europäische Fuggerstraße informiert zudem tiefgehend zur Montangeschichte der Frühen Neuzeit: Stadtführungen, Schaubergwerke, Bergwerkslehrpfade und Museen verraten vieles über die Wirtschaft und Politik im 16. und 17. Jahrhundert. Sie führen zu technischen Denkmälern – und damit zu Themen von der Metallurgie bis zur Wasserhaltung. Und sie erzählen vom harten Alltag der Bergarbeiter und ihrer Familien. Doch in den Bergbauorten stößt man (neben dem Erlebnis Landschaft) auch auf Fuggerhäuser und andere Denkmäler der Familie. In der Fuggerstadt Augsburg verwandelten sich die Erträge des Montankonzerns am Ende in Architektur, Kunst – und nicht zuletzt in Stiftungen wie die 1521 von Jakob Fugger »dem Reichen« begründete Fuggerei.

Geht es nach Augsburgs Tourismuschef Götz Beck, könnte später noch der eine oder andere Bergbauort zur »Europäischen Fuggerstraße« hinzustoßen. Zum Beispiel gewann der Fuggerkonzern in zwei spanischen Montanzentren Quecksilber, Zinnober und Silber. Und auch in Polen und Tschechien erinnern Bergbauorte an das Augsburger Unternehmen. Wie ausgedehnt die »Europäische Fuggerstraße« sein könnte, würde sie alle Standorte und Transportrouten des schwäbischen Montankonzerns einbeziehen wollen, sehen Besucher des Fugger und Welser Erlebnismuseums in Augsburg auf einer technisch umgesetzten animierte Europakarte nebst einer Weltkarte. Darauf wird ersichtlich, wie weit gespannt – und wie sehr in Bezug auf die Metallverarbeitung und den Transport von Erzen, Halbfertig- und Fertigwaren vernetzt – die Geschäftsinteressen der Fugger waren.

Auf den Spuren der Fugger im Sommer 2020

Für diesen Sommer empfiehlt sich eine Zeitreise mit dem Rad aus dem goldenen Augsburg bis zu den Silberminen Tirols. Von Augsburg nach Innsbruck oder Rosenheim bietet die Radtour, konzipiert von der Regio Augsburg Tourismus GmbH, den Fuggerschen Stiftungen und dem Reiseveranstalter Inntour Active Holidays, in sieben bis neun Tagen eine individuelle Einzeltour ab mindestens zwei Personen.

Auf  Radwanderwegen entlang der Flüsse Lech und Inn findet man ausreichend Zeit, Highlights wie die einstige Residenz der Fuggerfamilie in Augsburg, die weltweit erste Münzprägemaschine in der historischen Metropole Hall in Tirol sowie die Mutter aller Bergwerke, das monumentale Silberbergwerk im Bauch des Falkensteins in den Tuxer Alpen in Schwaz, zu besichtigen. Auf der »rollenden Zeitreise« erlebt man in historischen Bauwerken, interaktiven Museen sowie im Bergwerksstollen den Wirkungskreis der einflussreichen Augsburger Patrizierfamilie aus der Frühen Neuzeit. Größtenteils radelt man in einem gut ausgeschilderten Radwegnetz (240 Radkilometer, optional auch 365) über asphaltierte Rad- und Wirtschaftswege sowie wenig befahrene Nebenstraßen und Ortsdurchfahrten. Infos bei der Regio Augsburg Tourismus GmbH.

www.augsburg-tourismus.de
www.fuggerstrasse.eu

Abbildung: Sonnenaufgang über Hall in Tirol. Die (Salz-)Bergbaustadt, etwa zehn Kilometer östlich von Innsbruck gelegen, ist eines der Reiseziele an der »Europäischen Fuggerstraße«, die natürlich auch in die Fuggerstadt Augsburg führt. (© Foto: hall-wattens.at)

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