Rassismusvorwurf

25. Februar 2019 - 10:12 | Jürgen Kannler

Bei einer Veranstaltung zum Kulturentwicklungskonzept sehen sich die Kunstsammlungen und Museen Rassismusvorwürfen vonseiten einer Impulsrednerin ausgesetzt und niemand von den Veranstaltern weist diese absurde und gefährliche Attacke zurück.

Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Am Abend des Valentinstages luden die Macher*innen des Kulturentwicklungskonzepts (kek) der Stadt Augsburg ins Maximilianmuseum. Die Einladung versprach Einlassungen auf drängende Fragen, die es im Kern nicht nur im Kontext des Bürgerbeteiligungskonzepts zum Thema Museumslandschaft zu behandeln gilt. Auf der Tagesordnung standen Punkte wie: Was können wir tun, um die Museen für ein interkulturelles Publikum zu öffnen? Wie können wir unsere Sammlungen neu befragen und die Interkultur als übergreifendes Thema mitdenken? Wie können wir interkulturelle Kompetenzen schulen und neue Zielgruppen ansprechen? Zugegeben, vordergründig alles Fachleutethemen. Aber wenn heute knapp zwei Drittel unserer Vorschulkinder im Stadtgebiet einen Migrationshintergrund haben, sollten wir die Beschäftigung mit diesen Bereichen sofort auf die immerwährende Tagesordnung setzen und sehr ernst nehmen.

Unterstützt durch die Leiterin des Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt Margret Spohn konnten einige viel versprechende Gäste geladen werden. Spohn, deren ZUSA-Projekt gegenwärtig einen EU-Etat mit Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds verwaltet und damit diesen Termin mit ermöglichte, moderierte diesen Abend auch. Kulturreferent Thomas Weitzel, laut dem  die Stadtgesellschaft die Frage nach Diversitätsentwicklung auch in den städtischen Museen als wichtige Aufgabe erachtet, bat neben regionalen Akteur*innen weitere Fachleute zur Gesprächsrunde in einen der Prachtsäle des Maximilianmuseums. Darunter Isabella Fehle, Direktorin des Stadtmuseums München, Düzgün Polat, Diversity Manager bei der Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH, sowie Christof Trepesch, Leiter der Augsburger Kunstsammlungen, und Manuela Wagner, Leiterin für Kunst- und Kulturvermittlung an seinen Häusern.

Vor dem Gespräch, das als offene Runde für alle Anwesenden konzipiert war, sollte die Migrationsforscherin und Leiterin des FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museums Natalie Bayer die Gelegenheit erhalten, von ihren Ideen und Konzepten zu berichten. Bis 2018 war Bayer vorwiegend in München aktiv, wo es auch zur Zusammenarbeit mit Spohn und Fehle kam. Ihr starkes Wirken dort wird von beiden als prägend beschrieben, nicht nur für den Standort Stadtmuseum. Von ihrer neuen Wirkungsstätte entwirft Bayer selbst das Bild eines kulturellen Vorzeigebetriebs in Sachen Diversity.

Leider verabschiedete sich die Wissenschaftlerin im Laufe ihres Beitrags vom angekündigten Themenspektrum und verstieg sich stattdessen zu Rassismusvorwürfen gegenüber den Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Dabei wurden die Struktur und die Darstellung in den Häusern sowie die Zusammensetzung der Führungsebene angegriffen, ohne die dafür angebrachte inhaltliche Tiefe. Eine ebenso absurde wie gefährliche Attacke, der sich an diesem Abend leider weder Thomas Weitzel noch Margret Spohn entgegenstellen wollten. Diese Aufgabe musste stattdessen ein Gast aus der hiesigen jüdischen Gemeinde übernehmen. Nach dieser Entgleisung war der Abend inhaltlich weitgehend gelaufen. Schade, denn zu besprechen hätte es genug gegeben. Doch Kommunikation bedarf vor allem auch des Respekts vor dem Gegenüber. Nicht nur bei Fragen der Integration. Aber genau dieses Thema können wir ohne Respekt voreinander eben gar nicht verhandeln. So wurde aus dem angekündigten Fachgespräch eine böse Farce.  

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