Die Rechnung zahlt München

20. April 2018 - 12:52 | Jürgen Kannler

Der Ministerpräsident kündigt an, das Theater Augsburg könnte unter staatliche Führung gestellt werden. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Markus Söder, seit einigen Wochen bayerischer Ministerpräsident und seit der Unterzeichnung seiner Ernennungsurkunde im Wahlkampfmodus, beabsichtigt, das Theater Augsburg zum Staatstheater zu machen. Diskutiert wurde das Thema vorab nicht. Zumindest nicht in Augsburg, und schon gar nicht mit den hier lebenden Menschen. Die Vertreter der regionalen CSU, die städtische Regierungsspitze, von der Kulturverwaltung und Intendanz des Theaters ganz zu schweigen, sie alle waren von Söders Alleingang vor den Kopf gestoßen und machten gute Miene zum bösen Spiel.

Manche »Insider« brüsten sich nun, dass im Vorfeld klar deutbare Zeichen in Sachen Theaterübernahme aus der Staatskanzlei zu erkennen waren. Das ist natürlich Mumpitz. Söder wollte mit seiner Regierungserklärung eine Streubombe finanzieller Zuwendungen über Bayern zünden und setzte diesen Effekt nicht aufs Spiel, nur um bei einigen schwäbischen Plaudertaschen aus seiner Partei die Form zu wahren. Demokratie sieht natürlich anders aus, aber hier geht es um Macht. Bei den Landtagswahlen im Herbst will Söder zeigen, wer in Bayern die Lederhosen anhat. So viel ist schon einmal sicher: Die Augsburger Politiker sind es nicht.

Die haben die Stadt mit dem Theaterneubau, zumindest in Sachen Kulturpolitik, an den Rand der Handlungsfähigkeit gebracht und in einigen Fällen darüber hinaus. Das neue Theater wird weder termin- noch etatgerecht fertig. Der finanzielle Puffer für den Bau ist aufgebraucht, noch bevor der erste Stein bewegt wurde. Lange wird sich dieses Desaster nicht mehr vor der Öffentlichkeit verbergen lassen. Mit dem Platzen der Blase vor den Landtagswahlen ist zu rechnen. Für Söder ist dieses Risiko mitten im Wahlkampf nicht hinnehmbar. Aus diesem Grund zieht er die Verstaatlichung des Projekts ernsthaft in Erwägung. Finanziell ist das machbar. Welche Vor- und Nachteile dieser Prozess für die Menschen unserer Kulturregion mit sich bringen würde, ist offen. Man hätte auf das Szenario vorbereitet sein können. Auch hier hat unsere Stadtregierung versagt. Das folgende Zitat stammt aus der a3kultur-Ausgabe vom April 2015 (Abbildung: damalige Grafik): »Das Kostenvolumen von rund 235 Millionen Euro für Sanierung, Neubau, Planung und Interimsspielstätten übersteigt alles Fassbare. Die Finanzreferentin weiß nicht, wie die Stadt diese Summe jemals aufbringen soll, und hofft wohl auf Geld aus München. Vielleicht bekommt Augsburg auf diesem Weg sein Staatstheater, ob die Bürger es wollen oder nicht.«

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