Regel Nummer 4: Wir lösen Konflikte verbal

16. Oktober 2019 - 9:42 | Severin Werner

»Annabelle« im Sensemble Theater bedient Klischees und steigert sich zu einem aberwitzigen Streitgespräch über Kinder, Karriere und Gott.

Wie auch schon im ersten Stück der Klassenzimmer-Reihe befindet man sich als braver Schüler im Klassenzimmer, diesmal aber in einer Grundschule. Stark schnaufend, wirbelt der Lehrer herein: Birkenstock, Kordhose, Strickweste und Lederaktentasche, mehr Lehrer geht nicht. Die zuerst ruhige, friedliche Atmosphäre weilt jedoch nicht lange, da abrupt die Mutter der Schülerin Annabelle ins Klassenzimmer stürmt. Ihr Anliegen: Annabelle, ihre wahnsinnig begabte Tochter, geht nicht mehr gerne in die Schule, weshalb die Mutter zur Inspektion der interkulturellen Klassenkameraden und des Lehrers selbst vorbeikommen musste.

In ihrem Auftreten offenbart sich die Mutter schnell als überforderte, erzkatholische und respektlose Karrierefrau. Nachdem die wiederholten Aufforderungen des Lehrers, den Unterricht wieder zu verlassen, ignoriert werden, artet das Gespräch zwischen den zwei Erwachsenen schnell zum Streit aus. In ihrer Raserei vergessen sie vollkommen die anwesenden Grundschüler, die letztlich Zeugen der Konfliktlösung ex negativo werden. Der Streit endet mit dem Verstoß gegen die Regel Nummer 4, einem Schlag.

Das neu überarbeitete Stück »Annabelle« bedient nicht nur Klischees, sondern schafft es auch durch Steigerung der irrationalen Angst, die Lächerlichkeit der jeweils anderen Seite hervorzuheben. Der tolerante Musterlehrer verwandelt sich in den predigenden Atheisten und die besorgte Mutter in die sexuell frustrieret, verängstige Karrierefrau. Die Ironie des Stückes und die grotesken Äußerungen des Streitpaars sorgen für so einige Lacher.

www.sensemble.de

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