Ein Richter wird überführt

17. August 2017 - 11:10 | Dieter Ferdinand

Heinrich von Kleists »Der zerbrochne Krug« wurde am 15. August im Griechischen Theater Heretsried aufgeführt.

2016 wurde in Heretsried ein 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Das Ehepaar Marlies und Sebastian Bernhard hatte beim Besuch eines griechischen Theaters auf Sizilien Feuer gefangen und in seinem großen Garten ein Amphitheater mit 300 Plätzen gebaut. Es ist so gut wie immer ausverkauft. Vor den Aufführungen und in der Pause wird das Publikum kulinarisch versorgt.

Höhepunkt des jährlichen Theatersommers ist der 15. August, diesmal war »Der zerbrochne Krug« von Heinrich von Kleist an der Reihe. Seit vielen Jahren spielt an diesem Tag das »Münchner Sommertheater« in Heretsried unter der Leitung von Ulrike Dissmann, die auch eigene Lieder dazu verfasst hat. Die Gäste sitzen im Halbrund um die Spielstätte und fühlen sich in südlichen Gefilden. 

In einem niederländischen Dorf wurde ein wertvoller Krug zerbrochen. Im Gerichtszimmer wird der Schuldige gesucht. Dies gestaltet sich zu einem spannenden, humorvollen Gemisch aus Beschuldigungen, Verdächtigungen, Erfindungen und Ausschmückungen. Nur der Richter selbst kennt den Schuldigen: »Die werden mich doch nicht vor mir verklagen.« Als alle wissen, dass er der Täter ist, haut er ab.

Das gesamte Ensemble spielt auf höchstem Niveau, jedes Wort ist verständlich, das Mienenspiel perfekt. Herausragend Christoph Hirschauer als Dorfrichter Adam: ängstlich, auftrumpfend, drohend und schließlich verwirrt daherredend.

1808 fand im Weimarer Hoftheater die Uraufführung des autoritätskritischen Lustspiels statt. Regie führte Theaterdirektor Goethe. Es wurde ein Misserfolg. Die 1811 gedruckte Endfassung sah Kleist nicht mehr. Er fühlte sich zunehmend isoliert. Mit der unheilbar erkrankten Henriette Vogel ging er am 21. November 1811 in den gemeinsam gewählten Tod am Kleinen Wannsee bei Berlin. Zehn Jahre später trat »Der zerbrochne Krug« seinen Siegeszug durch die Theater an.

Lang anhaltender, dankbarer Applaus beendete die grandiose Aufführung.

www.griechisches-theater-heretsried.de

Foto (Michael Daum): Marthe Rull (Frida Caldwell), Richter Adam (Christoph Hirschauer) und Gerichtsschreiber Licht (Laurin Hacker) begutachten die Krugscherben.

Weitere Positionen

23. Juli 2019 - 11:32 | Dieter Ferdinand

Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben zeigt bis 31. Oktober die Ausstellung »Über die Grenzen. Kinder auf der Flucht 1939/2015« in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber.

22. Juli 2019 - 11:29 | Jürgen Kannler

Kulturreferent Thomas Weitzel – ein CSU-Mann. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

22. Juli 2019 - 10:18 | Gast

Der UNESCO-Titel ist ein Bildungsauftrag, kein Marketinggag. Ein Gastbeitrag von Martin Kluger

6. Juli 2019 - 8:15 | Renate Baumiller-Guggenberger

Ganz klassisch – die a3kultur-Klassik-Kolumne im Juli

1. Juli 2019 - 12:57 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere von Andrew Lloyd Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar« auf der Freilichtbühne am Roten Tor

1. Juli 2019 - 8:41 | Gast

Quergelacht: die a3kultur-Kabarett-Kolumne im Juli. Von Marion Buk-Kluger

28. Juni 2019 - 8:01 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Immer Kopf« in der Galerie Süßkind zeigt Arbeiten von Mike Mayer.

26. Juni 2019 - 13:00 | Thomas Ferstl

Der Juli ist bald da, die Temperaturen steigen und die Kinoleinwände zieht es hinaus an die frische Luft. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

21. Juni 2019 - 10:23 | Bettina Kohlen

Ein Kaiser und ein Dichter spielen in diesem Sommer große Rollen im Augsburger Ausstellungsgeschehen.

21. Juni 2019 - 10:20 | Iacov Grinberg

Seit zwei Monaten tagt das »Philosophische Café« im Brechthaus. Das Thema der letzten Sitzung war »non-verbal«