Roadtrip ins neue Jahr

3. Januar 2019 - 8:37 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Filmkolumne im Januar

Wie bereits online auf a3kultur.de berichtet, gebührt dem Kinodreieck nachträglicher Applaus. Für sein Programm im Jahr 2017 wurde das Thalia im vergangenen Dezember mehrfach ausgezeichnet. Der Freistaat Bayern honorierte das herausragende Jahresprogramm. Auf Bundesebene erhielt das Kino Auszeichnungen für sein Jahres-, Kinder- und Dokumentarfilmprogramm und gehört damit zu den 20 besten Kinos Deutschlands. Ebenfalls zu beglückwünschen sind Daniela Bergauer und Michael Hehl zur Übernahme des Liliom sowie Tom Dittrich zu seinem wohlverdienten Ruhestand.

Wie das Thema Rassismus zu Jahresbeginn Einzug ins Kino hält, erfahren Sie hier:

»Green Book« (31. Januar, Kinodreieck, Liliom, Foto) spielt in den USA im Jahr 1962. Don Shirley (Mahershala Ali) ist ein begnadeter klassischer Pianist und geht auf eine Tournee. Sie führt ihn aus dem aufgeklärten New York hinaus bis in die Provinzen der amerikanischen Südstaaten. Als Fahrer engagiert er den Italoamerikaner und Gelegenheitstürsteher Tony »Lip« Vallelonga (Viggo Mortensen). Während der langen Fahrt orientieren sich die beiden am sogenannten Negro Motorist Green Book, in dem die wenigen Unterkünfte und Restaurants aufgelistet sind, in dem auch schwarze Gäste willkommen sind. Zuerst erträgt Don die Demütigung, nicht essen, schlafen oder sich erleichtern zu dürfen, wo er will. In einer Nacht in Kansas wagt sich Shirley jedoch allein in eine Bar und wird verprügelt. Tony taucht gerade noch rechtzeitig auf, um ihn zu retten. Die Kluft zwischen Tony mit seiner recht einfachen Art und Don mit seiner kultivierten Denkweise sowie die rassistischen Hürden der Zeit werden auf ihrer Reise immer wieder deutlich. Doch trotz aller Widrigkeiten entsteht langsam, aber sicher eine Freundschaft zwischen den beiden gegensätzlichen Männern.

»Green Book« ist Regisseur Peter Farrellys Versuch, die tatsächliche Geschichte der beiden Männer filmisch zu verarbeiten. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen bewegenden Buddy-Film mit guten Dialogen und hervorragenden Hauptdarstellern. Für einen Film jedoch, der ein so hochbrisantes politisches Thema aufgreift, verharmlost er die Gefahren und Ängste schwarzer Bürger in den Südstaaten zu den Zeiten der Segregation zu sehr, wie Afroamerikaner in der US-Presse bemängeln. Außerdem scheinen weitere Fakten nicht korrekt dargestellt. Beispielsweise seien die beiden Männer in Wahrheit keine Freunde gewesen, so Don Shirleys Bruder Maurice gegenüber dem Onlinemagazin Black Enterprise. Interessanterweise ist einer der Autoren des Films Nick Vallelonga, der Sohn des echten Tony. Die Vermutung, dass er seinem Vater und dessen Geschichten über den Roadtrip ein Denkmal setzen wollte, scheint naheliegend. Sehenswert ist der Film zwar wegen des Drehbuchs, seiner antirassistischen Message und der darstellerischen Leistung – aber nur unter dem Vorbehalt, dass es sich statt der Abbildung von Realität eher um eine verfilmte Wunschvorstellung handelt.

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