Wie ein Rohdiamant

16. November 2016 - 14:43 | Iacov Grinberg

Retrospektive »every which way« in der Galerie Beate Berndt

Vor dreieinhalb Jahren eröffnete die Galerie Beate Berndt zum ersten Mal ihre Pforten, heute ist sie in der Augsburger Kulturlandschaft fest etabliert. Jetzt zeigt sie eine Retrospektive, die die Richtung der Galerie verdeutlicht – die Arbeiten von neun Künstlern, die bislang dort ausgestellt wurden.

Unser Denken ist so gebaut, dass wir in einem vor unseren Augen erscheinenden Bild einige uns gut bekannte Objekte auszusondern versuchen: Gesichter, menschliche Figuren, Tiere oder Bäume. In den Bildern und Objekten, die in der Galerie gezeigt werden, gelingt es in der Regel nicht, diese so eindeutig zu identifizieren. Denn die Künstler versuchen, uns, den Betrachtern, ihre Gedanken, Ideen und Gefühle mit anderen Mitteln als klar strukturierte figurative Objekte zu vermitteln. Und für den Betrachter ist das natürlich nicht immer leicht.

Einer der Besucher, der dort auf seine Begleiterin wartete, sagte mir, dass er sich anfangs wie ein Grundschüler in einer langweiligen Stunde fühlte. Er muss dasitzen, schaut Bilder in dem auf der Schulbank liegenden Lehrbuch an, plötzlich erkennt er in diesen Bilder jedoch etwas Ungewöhnliches und sehr Interessantes. Auch hier haben sich die ausgestellten Bilder und Objekte nur durch ein langes Betrachten für ihn eröffnet, was bei einem oberflächlichen Betrachten nicht sichtbar war. Beim ersten Blick in die Galerie, beim Gleiten mit den Augen über die Wände, zieht kaum eines der ausgestellten Bilder und Objekte gleich die Aufmerksamkeit in seinen Bann. Sie erfordern langsames, ruhiges Betrachten.

Danach kam seine Dame und wir haben gemeinsam besprochen, was wir in einigen der ausgestellten Bilder gesehen haben. Dieser Austausch hat uns gezeigt, wie wenig jeder von uns auf den ersten Blick gesehen und verstanden hatte. Das Ausgestellte hat für uns erst mit der Zeit seine Anmut offenbart, wie ein Rohdiamant nach einem Meisterschliff.

Ich kann Ihnen, lieber Leser, empfehlen, diese Retrospektive langsam und nachdenklich zu betrachten, am besten zusammen mit jemandem, mit dem Sie das Gesehene besprechen können. Das ist noch bis Mitte Januar möglich und es lohnt sich zweifelsohne.
(Iacov Grinberg)

www.galerie-augsburg.com

Foto: Bernadette Jiyong Frank

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