Club & Livemusik

Roots, zirbelnussy Roots

Martin Schmidt
1. Mai 2016

Was, Axl Rose singt jetzt bei AC/DC? Scheißegal, wichtig ist: Augsburgs Fab Five spielen diesen Monat in Originalbesetzung in der Musikkantine. The Hyde Parkas traten erst letztes Jahr nach 28 Jahren wieder zusammen im Glyzerin auf, nun rufen sie für Samstag, 7. Mai, zum Recall in die Kantine. In den 80ern zählte die Band aus der Mod-Szene zu den beliebtesten Kapellen der Stadt, 1986 waren sie Augsburgs erste »Band des Jahres« und neben Auftritten bei Mod-Allnightern spielten sie in Österreich und Großbritannien. 1984 gegründet, waren die Band mit ihrem 60ies-Beat auf der damaligen, legendären Augsburger Pop-Compilation »2000 Töne« (damals natürlich auf Vinyl) vertreten, erschienen anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg. Ein paar Mitstreiter dieses Samplers sind heute noch eins zu eins oder transformiert aktiv: Impotenz und Generation N (Gerald »General« Seckler). Auf dem Youtube-Kanal von Arno Löb (der wiederum Impotenz-Mitglied ist und auch Mitinitiator der Compilation war) sind die Beiträge von »2000 Töne« zu hören.

Die Hyde Parkas sollten eine Kreativzelle künftiger (pop)kultureller Entwicklungen in Zirbelnuss-Town werden: Gitarrist Dieter Geier gründete die Band The Beatless, Bassist Martin Stefaniak ging zur Augsburger Puppenkiste und Walter Sianos … ja der, der brach einiges los. Neben weiteren Bandaktivitäten wurde er Mitbetreiber des Clubs Kerosin (heute: Glyzerin), Chefredakteur der »Neuen Szene«, Initiator des seit über 30 Jahren stattfindenden »Band des Jahres«-Wettbewerbs, Booker und Konzertagentur-Betreiber (ping.pop, Gerhard Schönherz), FCA-Aufsichtsratsmitglied … Bei so viel Power, fuggerstädtische Historie in sich auszukristallisieren, sollte man eigentlich denken, es ist Walter Sianos, der 2000 Jahre alt ist – und Augsburg nur knapp über 50. Bricht nicht die Bühne vor lauter Ehrenlast zusammen, wenn der Mann die Stage entern wird? Nein, tut sie nicht, denn er ist rank und schlank geblieben und die Hyde Parkas ihrem Sound aus 60ies-Scooter-Beat und Britpop treu. Übrigens: Es heißt hurtig, hurtig sein und nicht verpassen – die nächste Show ist erst wieder für 2017 geplant.

Als Vorgruppe spielen Die Kongress Parkas, nein quatsch: The Cucumbers. Sie zählten in den späten 80ern mit ihrem punkigen Beatpop wie die Parkas zur Augsburger Mod-Szene. Gitarrist Raimund Bernardy war bei der Gründung der legendären Gurken-Gang im Jahr 1984 übrigens erst 16 Jahre alt. Nach den Konzerten laden die Bands zur Aftershow-Party ein; in der Weltbar gibt’s ein »Klassentreffen« mit cooler 60ies-Lounge-Musik. Und vielleicht auch Autogramme. Einlass fürs Konzert ist 19:30 Uhr, Beginn 20:30 Uhr.

Fest, fester, Festival-Fest

Man spürt es, man merkt es, man sieht es: Die Gesichter in Straßenbahn und Bus sind entspannter, die Krähen am Königsplatz singen in Vorfreude, Lech und Wertach sprudeln lustvoller ihr kostbares Nass. Denn: Die Festival-Saison beginnt! Das Modular Festival zündet gleich in diesem Monat (siehe Bericht auf Seite 3) und das Obstwiesen-, das Singoldsand- und das Sammersee-Festival rücken sich bereits die Rüschchen am Pop-Hemd zurecht. Drum gibt es nun am Pfingstsonntag, 15. Mai, ein Festival-Festvial als Pre-Festival. Oder so ähnlich zumindest. Nämlich: Unter dem Namen »Machen alle mit« präsentieren sich in der Kantine die genannten Killer-Events. Ein Festival unter einem Dach mit buntem Rahmenprogramm im Biergarten. Dazu Foodcorner, Flohmarkt, Kreativmarkt – und die Möglichkeit, sich vor Ort Tickets für die Festivals zu sichern. Und das Wichtigste: Live vor Ort spielen Claire, We Destroy Disco und San Antonio Kid. Einlass 18:30 Uhr, Beginn 20:15 Uhr.

Kenia Roots

Zu einem großartigen Konzert lädt im Maien auch das Grandhotel Cosmopolis: Am Dienstag, 31. Mai, sind dort Ogoya Nengo & The Dodo Women’s Group zu Gast. Die über 80-jährige kenianische Sängerin Anastasia Oluoch präsentiert mit mehrköpfiger Verstärkung faszinierende afrikanische Folkmusik. Mit 13 Jahren begann sie einst ihre Karrie als Dodo-Sängerin. Seit 2014 arbeitet Ogoya Nengo – der Name bedeutet »die Gepriesene« – mit Soundkünstlern wie Sven Kacirek (Hamburg, Pingipung) und Stefan Schneider (Kreidler, to rococo rot) zusammen und hat auf dem »Honest Jon’s«-Label von Damon Albarn (Blur) veröffentlicht. Das Ergebnis ist eine zeitgenössische Version kenianischer Roots Musik, gepaart mit kraftvoller Stimme und dem Ruf Afrikas, im Souterrain des Grandhotels.

Foto: Größer als die Fugger, Brecht und Mozart zusammen: Augsburgs »Fab Five« The Hyde Parkas spielen am Samstag, 7. Mai, in der Kantine.

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