Schöne Hinterglasbilder

31. Juli 2017 - 11:39 | Iacov Grinberg

»Historische Hinterglasmalerei aus der Sammlung Steiner« im Liebertzimmer des Schaezlerpalais

Als eine Ergänzung der Ausstellung »Bolihua – Historische Hinterglasmalerei aus China« im Schaezlerpalais zeigt man jetzt fast 60 Hinterglasbilder aus der Sammlung Steiner. Sie wurden in Italien, Schweiz, Tirol und in Augsburg zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert geschaffen und vertreten verschiedene Malschulen. Meist sind das Bilder in einem fast gleichen, relativ kleinen Format, Bilder für ein breites Publikum.

In allen Zeiten und in allen Ländern strebten Menschen danach, ihre Wohnungen zu dekorieren. Dafür dienten Bilder und Zeichnungen. Seit der Renaissance bestellten die Wohlhabenden Fresken für die Wände ihrer Paläste und Häuser sowie Ölbilder. Sie waren imstande die individuelle Arbeit der Maler zu bezahlen. Das einfache Volk genügte sich mit Kupferstichen. Sie waren weit verbreitet und hatten eine große Nachfrage: Schon im 16. Jahrhundert bekam Albrecht Dürer einen wesentlichen Teil seines Einkommens dank seiner Kupferstiche.

Die Hinterglasbilder befinden sich in einer Zwischenposition. Einerseits sind sie keine Unikate, wie Ölbilder oder Fresken. Sie brauchten weniger künstlerische Begabung (man sieht das an der Qualität der Gesichter in ausgestellten Bildern oder in kindisch dargestellten Löwenköpfen) und wurden immer anhand einer Vorlage gemacht. Rein technisch braucht ein Hinterglasbild unbedingt eine vorbereitete Vorlage. Sie benötigten jedoch wesentlich mehr Arbeit als Kupferstiche und sollten entsprechend mehr kosten. Andererseits sind sie beständiger: Das Glas schützt die Farbschicht vor Schmutz, Kerzenruß und den Pfötchen kleiner Kinder. Gold glänzt immer unter Glas, Silber wird nicht schwarz, Farben bleiben bunt und hell. Auch ein nasser Lappen, mit welchem man Staub abwischt und welcher für erbärmlichen Zustand vieler alter Ölbilder verantwortlich ist, macht hier keinen Schaden. Sehr deutlich sieht man das bei einem Hinterglasbild mit hell glänzenden Farben, das zusammen mit der Vorlage – einem Ölbild, dessen Farben schon verblasst sind, ausgestellt ist. In der Ausstellung gibt es auch drei kolorierte Kupferstiche, die mit Glas geschützt wurden. So hatten Hinterglasbilder eine große Nachfrage.

Man kann sie nach dem abgebildeten Motiv in drei großen Gruppen anordnen: Antike Mythologie, Altes und Neues Testament und einfach schöne Darstellungen, galanter Szenen und Allegorien. Das gibt uns die Möglichkeit, auf ihren ersten Käufer einen Blick zu werfen.

In vorigen Jahrhunderten war die antike Mythologie ein Teil der gehobenen Bildung. Die Käufer solcher Bilder sollten entweder selbst eine gute Bildung haben oder sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern. In der Literatur gibt es eine Geschichte über einen neuen Reichen (solche gab es in alle Epochen), der einen Sekretär mit silbernen Platten mit mythologischen Darstellungen in Hoffnung, dass diese bei seinen Kindern ein früheres Interesse zur Mythologie weckte, bestellte. In der Ausstellung gibt es auch einen Sekretär mit 20 mythologischen Hinterglasbildern zu sehen.

Schöne Darstellungen, galanten Szenen und Allegorien brauchten keine speziellen Kenntnisse und waren für diejenigen geschaffen, die ihre Häuser einfach schön gestalten wollten. Solche Menschen, die einfach Schönheit ohne tiefe Bedeutung der Bilder möchten, machten immer (auch heute!) einen wesentlichen Teil des Publikums aus. Und die dritte Gruppe, die Bilder mit religiöser Thematik, hatte damals die größte Zahl der Abnehmer: In der damaligen Zeit der allgemeinen Religiosität waren Andachtsbilder auch in ärmsten Häusern zu finden. Die Qualität der Darstellung spielte bei diesen keine entscheidende Rolle, wie wir auf einigen Bildern klar sehen. Auch damals bestimmten die Geschmäcker des breiten Publikums die Thematik (und manchmal auch die Qualität) der zum Verkauf angebotenen Bilder...

Ich empfehle Ihnen, liebe Leser, diese kleine Ausstellung unbedingt zu bewundern, was noch bis zum 15. Oktober möglich ist. Sie ist nicht nur interessant, sondern auch (eine für eine Ausstellung unübliche, aber richtige Charakteristik) sehr angenehm.

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