Schöne neue Schöpfung?

8. November 2019 - 12:53 | Iacov Grinberg

In der Werkstattgalerie Krüggling ist eine neue Ausstellung von Markus Wülbern »Schöne neue Schöpfung« zu sehen.

Der Künstler, Jahrgang 1989, arbeitet in ganz verschiedenen Techniken: Nach seinen Worten zeichnete er Comics, malte Acrylbilder, fotografierte Natur und Mensch, drehte Videos, bedruckte T-Shirts und verschandelte Fotos seines Deutschlehrers in Photoshop. Sein Schaffen wurde hochgeschätzt, zum Beispiel gewann er den ARTMUC Award im Mai 2019 und durfte in Folge dessen für drei Wochen nach Gran Canaria in das Studio 32 von Rafa Morenotapia einziehen, um dort Collagen zu gestalten. Daraus ist die aktuelle Ausstellung »Schöne neue Schöpfung« entstanden.

Eigentlich hat der liebe G-tt die Schöpfung während der ersten sechs Tage vollendet, schaute das Geschaffene an und sagte, dass es gut ist. Wozu braucht man eine neue Schöpfung? Ein großer Teil der ausgestellten Arbeiten sind Chimären. Solche Lebewesen sind in der Kunst lange bekannt, sie besiedelten altägyptische und antike Kunst, prunkten auf Fassaden gotischer Kathedralen. Auf den Collagen von Markus Wülbern sind menschliche Körper mit verschiedenen Pflanzen, Blumen und Tierköpfen gekrönt. Eine männliche Figur in rotem Talar hat den Kopf eines Gänserichs, eine im Anzug den eines Sekretär-Vogels, eine andere einen prächtigen Kaktus. Die Damenfiguren haben als Kopfersatz verschiedene Blumen, Pilze von verschiedener Größe und Farbe, Köpfe von Fuchs, Kamel, Schildkröte oder Chamäleon.

Wozu das Ganze? Was soll dies bedeuten? In der antiken Mythologie verkörperten Chimären verschiedene übermenschliche Fähigkeiten der Götter. In Kathedralen zeigten sie, dass die bösen Kräfte, die in dieser Welt stark sind, dem G-tteshaus aber als profane Dachrinnen dienen müssen. Mir schienen diese ungewöhnlichen Köpfe der Mischwesen als Ausdruck der Seelen der abgebildeten Personen. Eine junge Dame, die diese Bilder betrachtete, meinte, dass solche Körper die abgebildeten Pilze, Blumen oder Tiere haben sollen, falls sie als Menschen dargestellt werden. Schön oder abscheulich – hier waren wir oft unterschiedlicher Meinung. Trotzdem fanden wir beide diese Collagen ästhetisch schön und sehr spannend.

Die anderen ausgestellten Collagen sind eher abstrakte Gebilde, eine bunte Mischung von Flecken verschiedener Farben mit fantasievollen Abrissen, mit Ausnahme von zwei großen Abbildungen von Gran Canaria. Ich kann Ihnen, liebe Leser*innen empfehlen, diese Arbeiten selbst anschauen und eigene Impressionen zu sammeln. Das ist bis zum 23. November möglich, wenn um 16 Uhr die Finissage beginnt. Konkrete Zeiten für einen Besuch können Sie telefonisch mit dem Künstler (0176 70 36 36 40) oder dem Galeristen (0821 589 44 45) vereinbaren.

Abbildung: Markus Wülbern, Starke und stolze Kamelfrau

www.markuswuelbern.de

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