Schöne Spiele

28. November 2017 - 7:22 | Iacov Grinberg

Die Ausstellung „Kleine Welten“ ist zur Tradition geworden. Jahr für Jahr zeigt das Maximilianmuseum den kleinen und großen Besuchern wunderbare Spielzeuge aus alten Zeiten.

Die Ausstellung weckt bei einigen den Wunsch, die Exponate gleich anzufassen, bei anderen ein Nostalgie-Gefühl. So hat ein Hutladen mit Porzellanköpfchen bei Damen nicht nur ein intensives Betrachten, sondern auch den Wunsch, die zahlreiche Hutarten anzuprobieren, ausgelöst. Eine Puppenküche mit zahlreichen Utensilien, einem funktionsunfähigen Modell eines Puppenherdes und auch einem Elektroschalter an der Wand ließ die Herzen von kleinen und großen Hausherrinnen höher zu schlagen. Die Museumsmitarbeiterinnen erzählten, dass sie beim Aufstellen dieser Küche auch Vergnügen hatten.

Natürlich sind auch elegante Puppen, Kuscheltiere, Puppenmöbel und Puppen-Kaffeeservice ausgestellt, der Schwerpunkt der diesjähriger Ausstellung sind Spielzeuge, die vom Aussterben bedroht sind – Gesellschaftsspiele. Heute drängt sie die technische und gesellschaftliche Entwicklung an den Rand des täglichen Lebens.

Die Lotto-Spiele zum Erlernen von Fremdsprachen sind heute durch Programme für Smartphones ersetzt. Die Quartette, die die Bauwerke und Sehenswürdigkeiten verschiedenen Länder oder die Etappen großer Reisen zeigten, sind dank der Überfülle der Bilder, auf den für Kinder heute üblichen Computern, unnötig geworden. Zahlreiche Varianten von Kartenspielen forderten drei, noch besser vier Spieler. Früher, wenn Kinder in großen Höfen lebten und genug Spielkameraden hatten, war dies kein Problem. Heute, wo Spiele im Freien, im Hof wesentlich seltener geworden sind, spielen Kinder sehr oft allein, ihre Computer ersetzen Spielkameraden.

Verschiedene Arten und Variationen von „Mensch ärgere Dich nicht“, die man als Familienspiele bezeichnet, spielte man früher mit Eltern, die heute so beschäftigt sind, dass sie kaum Zeit für Kinder haben, oder mit Geschwistern. Auch das ist problematisch geworden, da die Menschen heute oft nur ein Kind haben. Die früher weit verbreiteten Dame und Mühle sind heute fast in Vergessenheit geraten, nur das Schachspiel blüht, da es als Sportart betrachtet wird. Von Bingo blieb nur eine Fernsehsendung. Auch Modellautos wurden vom reinen Spielzeug zum Sammelobjekt für Erwachsene umgewandelt. Kartenspiele sind noch bei Stammtischen üblich, Erwachsene spielen noch gerne Monopoly, aber Kinder ...

Diese traurigen Gedanken kamen aber viel später, nach dem Besuch der Ausstellung. Die Objekte – ganz verschiedene Spiele aus der Vergangenheit, bunt bemalte Karten für diese Spiele, sorgfältig gedruckte Teile der Quartette und Spielanleitungen, feine Figürchen und künstlerisch hochwertige Spielfelder – schenkten mir ein ästhetisches Vergnügen. Schauen auch Sie diese Ausstellung an, bewundern Sie die Erzeugnisse der vorigen Jahrhunderte, das ist noch bis zum 4. Februar möglich. Und denken Sie daran, dass Ihre Kinder und Enkelkinder nicht nur Sachen zum Spielen, sondern auch Spielkameraden brauchen. Machen Sie für sie alles, was Sie können.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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