Literatur

Ein Schuss ins Blaue

Juliana Hazoth
15. November 2019

a3kultur: Franz, liest du denn als erfolgreicher Krimiautor auch am liebsten Krimis?
Franz Dobler: Natürlich lese ich Krimis, aber auch vieles anderes. Ich mag einfach gerne gute Literatur, das Genre ist mir dabei egal. Wenn ich ein Buch fertig geschrieben habe, kriege ich manchmal einen richtigen Leseflash. Vieles kann man während der Schreibphase einfach nicht lesen, weil es zu nah am eigenen Buch ist.

Weil du dein Buch damit vergleichst?
Nicht unbedingt, aber sehr gute Bücher beeinflussen natürlich. Auch, dass Friedrich Ani und ich zum Beispiel oft bei ähnlichen Themen landen. Dann fragt man sich schon, ob man das trotzdem noch machen kann. Wenn ich das aber nicht weiß, ist mir das auch egal. Da denke ich aber gar nicht so viel darüber nach. Ich glaube, man kann mittlerweile gar nicht mehr so viel richtig neu machen. Ich denke, ich bin anders genug.

Was ist denn bei dir so anders?
Im klassischen Krimi bin ich eher am Rand, weil mich bestimmte Arten von Spannungsbögen einfach nicht so interessieren. Ein Großteil des Genres ist eher geradlinig und ausmalend. Ich arbeite lieber mit Lücken und Andeutungen. Auch die Figuren erzähle ich nicht komplett aus, das ist bei mir schon eher ungewöhnlich.

Also kein klassisches Ermitteln nach einem Verbrechen und am Ende gibt es die Lösung.
Ja, genau. Das ist die Sruktur im klassischen Krimi. Diese traditionellen Regeln sind aber schon lange nicht mehr so starr. Es kommt einfach darauf an, was der Leser spannend findet und lesen möchte.

In deinen Büchern nutzt du sehr direkte Sprache, die Einstellung deiner Figuren ist deutlich. Stößt das auch mal auf Gegenwind?
Ja, das passiert. Ich kriege dann Mails von verärgerten Leuten, die das nicht gut finden. Aber da ich selbst nicht auf sozialen Netzwerken unterwegs bin, hält sich das in Grenzen. Sorgen musste ich mir deswegen nie machen. Über den Stil der Bücher gibt es natürlich Debatten, ob er zu langweilig oder »schmutzig« ist, aber damit muss man leben.

War diese derbe Sprache eine bewusste Entscheidung oder kam das für deine Figuren ganz natürlich?
Ich empfinde das gar nicht als so derb. Oft ist das auch ein Missverständnis. Das, was meine Figuren sagen, ist nicht das, was ich persönlich sagen würde. Aber mit Sprache charakterisiere ich Figuren. Da muss man unterscheiden und das machen manche nicht. Eine bewusste Entscheidung war das nicht unbedingt. Ich denke zwar darüber nach, welches Wort wo passt, aber das entwickelt sich meistens mit der Zeit.

Liest du deine Dialoge laut vor, um zu hören, wie sie klingen?
Nein, laut nicht, nur im Kopf. Es ist oft ein sehr langer Prozess, bis die stimmen. Bis zum fertigen Buch dauert es bis zu einem Jahr, sodass man im Nachhinein Textstellen anpassen muss, damit alles zusammenpasst. Figuren, Situationen und Details müssen überprüft werden, weil sich die Geschichte immer auch entwickelt. Deswegen ist es wichtig, den Text immer wieder zu lesen und zu überarbeiten. Ich lese aber nie meine fertigen Bücher.

Noch nie?
Nein, noch nie. Ich habe sie dann einfach zu oft gelesen. Das ist zwar schade, weil ich so nie einen fertigen Gesamteindruck bekomme, aber das geht einfach nicht. Mir fallen auch immer wieder Dinge ein, die ich doch anders hätte machen können.

Wird es mit jedem Buch leichter, abzuschließen?
Ja, da kommt schon Routine rein. Man muss nur aufpassen, dass es nicht zu sehr Routine wird, sonst wird man unaufmerksam. Bei »Ein Schuss ins Blaue« habe ich mit dem jetzigen Schluss angefangen, das hat sich im Laufe des Schreibens komplett verschoben. Vor 20 Jahren hätte ich das wahrscheinlich nicht machen können, sondern hätte mich da festgebissen. Diese Art Routine oder Souveränität ist eine gute Entwicklung.

Fühlt es sich seltsam an, dass dein zweiter Roman »Ein Schlag ins Gesicht« verfilmt wird?
Ja, das ist es, weil natürlich immer etwas anders ist. Aber auch, dass die Figuren plötzlich Gestalt annehmen. Das ist ähnlich, wie bei dem Hörspiel*. Plötzlich sind Stimmen da und dadurch kriegt das ganz neues Leben.

Das Hörspiel spielt zwar in der gleichen Welt, hat aber eine andere Hauptfigur.
Ja, richtig, Kommissarin Jaqueline Hosnicz, Fallners Frau. Ich hatte beim Hörspiel recht freie Hand, wollte aber nicht bei Null anfangen, weil ich das Gefühl habe, dass die Welt der Romane und die Figuren noch viel mehr hergeben. Jaqueline finde ich sehr interessant, daher gibt es so eben einen anderen Blickwinkel.

Siehst du deine Figuren beim Schreiben vor dir?
Schon ungefähr, aber ich beschreibe auch eher prägnante Merkmale als alle Details. Zum Beispiel habe ich nie geschrieben, wie groß Fallner ist. Ich finde es wichtiger, wie eine Figur tickt, was sie ausmacht und wie sie sich verhält. So eine detaillierte Beschreibung ist auch eher klassisch, aber das wollte ich einfach nie machen. Beim Film ist das natürlich anders. Ein Bild ist sehr stark und dieses Bild hat man dann eben im Kopf.

Robert Fallner ist nicht unbedingt ein klassischer Held. Ist er trotzdem oder vielleicht gerade deswegen deine Lieblingsfigur?
Nein, nicht unbedingt. Er ist eine Figur, die mich genug interessiert, um immerhin drei Bände über ihn zu schreiben. In jedem Buch finde ich etwas Neues über ihn heraus und das macht ihn für mich so spannend. Also mal sehen, was er in Zukunft so macht und ob es noch einen vierten Teil gibt.

Franz Dobler – Ein Schuss ins Blaue, Hardcover, 288 Seiten, erschienen bei Tropen
www.klett-cotta.de/buecher/tropen

* Am 16. Oktober übertrug Bayern 2 den ARD Radio Tatort »Mörder und Gespenster« von Franz Dobler. Das Hörspiel ist in der ARD Audiothek verfügbar:
www.ardaudiothek.de

Foto: Frauke Wichmann

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