Schwarze Kunst

Julia bornefeld Kunstverein Augsburg
20. Juni 2017 - 19:16 | Bettina Kohlen

Der Kunstverein Augsburg gewährt einen Einblick in den dunkelzarten Kosmos der Künstlerin Julia Bornefeld.

Ein riesiges wundersames Gebilde aus verknoteten verquollen verschlungenen schwarzen Gummischläuchen windet sich durch den zentralen Raum des Holbeinhauses. Das biomorphe Objekt übernimmt den Raum, passt sich zugleich auch in ihn ein, ebenso dominant wie flexibel – assoziativ und vielschichtig deutbar… Gummischläuche finden sich auch in anderen skulpturalen Arbeiten wieder, sie umschlingen die mit Schaumstoff weich ummantelten stählernen Stelen oder überweben straff einen Stahlrahmen. Gläserne Härte offeriert ein Bündel schwarzer glänzender Kugeln, die, obwohl undurchdringlich, den umgebenden Raum gespiegelt in sich aufnehmen.

Diese enorm kraftvoll raumgreifenden Arbeiten kontrastiert Bornefeld mit großformatigen roh belassenen Leinwänden, auf die sie schwarze Tusche träufelt und spritzt, so dass die Tropfen in zarten Galaxien die Fläche fluten. In den neuesten (und stärksten!) dieser Arbeiten konterkariert sie dieses unbegrenzte Auseinanderfließen der Tuschewolken mit harten über das Bild gelegten Streifen.

On top gibt es eine Videoarbeit (zusammen mit Michael Beyer), die den Betrachter durch einen monochromen Weltenraum schweben lässt, aber leider etwas platt geraten ist – die Kamerafahrten über die hoch ästhetischen Tuschebilder legen mehr Attitüde als Atmosphäre offen; die Schönheit von Bornefelds Arbeiten birgt eben auch das Risiko einer Fokussierung auf dekorative Aspekte. Die schlüssige Ausstellung ist dennoch unbedingt einen Besuch wert.

Melas: Bis 16. Juli im Kunstverein Augsburg, am 24. Juni bis Mitternacht geöffnet.
www.kunstverein-augsburg.de

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