Schwebende Natürlichkeit

11. Mai 2020 - 14:17 | Renate Baumiller-Guggenberger

Alexander Schimpf hat Mozarts Klavierkonzerte KV 413–415 mit der Bayerischen Kammerphilharmonie eingespielt und zum herausragenden Hörerlebnis gestaltet.

Hören, innehalten, staunen – noch mal und noch mal anhören bzw. gleich bestellen (am besten bei www.kammerphilharmonie.de für 15 Euro zzgl. 2 Euro Versand), um sein kleines Mozartwunder zu erleben! Und zwar in lupenreiner CD-Aufnahmequalität, zu der wohl auch eine optimale Raumakustik des Festsaals der Ismaninger Waldorfschule beigetragen hat. Da ist wirklich etwas Großes gelungen unter der im Booklet als Idealvorstellung einer zeitlosen Mozartinterpretation kommunizierten Prämisse: »Diese Musik«, so schreibt der Interpret, sei »möglichst als ein Geschehen darzustellen, das sich quasi wie von selbst ereignet, dessen Hintergründe in mentalem und technischem Aufwand aus allem Wahrnehmen zu eliminieren sind – andernfalls können die zauberhafte innere Balance und die für Mozart so typische schwebende Natürlichkeit sich nicht einstellen.« Gesagt, getan und ganz in diesem Sinne mit technischer und klanglicher Brillanz (ein)gespielt!

Mit dem aktuellen Album, das der in Göttingen geborene (und unter anderem von der bei Augsburg lebenden Ausnahmepianistin Janina Fialkowska geförderte) Pianist Alexander Schimpf, der seit 2016 als Professur an der HMTM Hannover lehrt, gemeinsam mit der Bayerischen Kammerphilharmonie aufnahm, fügten sich diverse glückliche Umstände zum spannungsreichen Klavierkonzert-Genuss: Ein tiefgründiger und hochkarätiger Solist, famose und wichtige Akzente setzende Streicher, ein einnehmendes Mozartprogramm, ein herrlicher Blüthnerflügel und ein professionelles Klassiklabel (Avi-music).

Mozart edierte die drei Konzerte in F-Dur, A-Dur und C-Dur KV 413–415, die seine Reihe von insgesamt fünfzehn Klavierkonzerten der Wiener Zeit einleiteten und in ihrem virtuosen Tonfall weit über die ihm oft unterstellten »Bravourauftritte« reichen, im Jahr 1783. Der Melodien- und Ideenreichtum, der sich in den neun Sätzen entfaltet, verblüfft heute noch immer. Ein Zugewinn sind dabei auch die klug und klar artikulierten Kadenzen von Alexander Schimpf, die den Hörer sinnlich und mit reizvollen Moll-Varianten in heutig-himmlische Höhen führen.

www.kammerphilharmonie.de

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