Sein und nicht sein

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23. März 2017 - 12:23 | Bettina Kohlen

Ein kluges, komplexes Projekt: Der Kunstverein Aichach zeigt Florian Ecker im Köglturm.

Dass man Aichach auf dem Schirm haben sollte, zeigt sich gerade wieder. Im Köglturm am Rande der Altstadt stellt der Kunstverein Aichach den Olaf-Nicolai-Schüler Florian Ecker aus. Noch bevor man den Turm betritt, ist man irritiert: drei grabartig ausgehobene Leerstellen im Erdreich? Auf dem Weg durch die Turmgeschosse wird das Rätsel gelöst, ganz oben findet sich dann der Erdaushub wieder, exakt in Form gebracht. Diese Form taucht in einem Marmorbarren auf, der nur noch als Fotografie greifbar wird, er selbst bedeckt zu Staub gerieben den Boden eines vieleckigen Raumes, lediglich die Umrisse der Flächen des Blocks sind ausgespart. Die Tetraeder-artigen Formen des Marmorblocks können als Segment von etwas Größerem gelesen werden.

Ecker bezieht sich hier auf die »Endlose Säule« von Constantin Brancusi, es geht aber auch um Natur, die hier in Gestalt der Herbstzeitlosen mitspielt. Deren formal dem Grundmodul ähnelnder Samen kann unterm Mikroskop erkundet werden. Im April wird er zusammen mit dem Aushub vor dem Turm in die Erde gebracht, das System schließt sich. Die Transluzenz des Marmors zeigt sich, wenn dünne Steinscheiben als Diapositiv agieren und so ihre Materialität präsentieren. Doch vor allem zaubert der Marmor mit poetischen Lichtblicken ein imaginäres Fenster auf die Wand. Ein kluges, komplexes Projekt. Hingehen. Unbedingt. Bis 17. April ist da smöglich.

Die Reihe »Wechselspiel – Spielwechsel« im Köglturm wird ab dem 29. April mit Malerei und Scherenschnitten von Thomas Heyl fortgesetzt. Heyl schafft in einem sichtbar bleibenden Herstellungsprozess irritierende Form- und Raumillusionen, gebrochene Vexierbilder.

www.kunstverein-aichach.de

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