Sicht einer Fotokünstlerin

17. Juni 2020 - 10:00 | Iacov Grinberg

Asja Schubert präsentiert in der Neuen Galerie im Höhmannhaus die Ausstellung »in natura«.

Nach ihrem Abschluss als Diplom-Soziologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München hat die Künstlerin eine Ausbildung in Fotografie am Stevenson College Edinburgh sowie ein Studium als Meisterschülerin an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Dieter Rehm absolviert. Schubert hat eine Eigenschaft, die für jede*n Fotokünstler*in unentbehrlich ist: Sie kann aus einem für alle zugänglichen Bild Teile aussondern, welche die Prädikate »Verweile doch! du bist so schön!« (Goethe, Faust) oder »so sonderlich!«, »so abscheulich!« verdienen.

Die Künstlerin stellt das Verhältnis von Mensch und Natur in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten. Sie fotografiert in Botanischen Gärten und Museen. Auf den Aufnahmen der Serie catch lassen sich Pflanzen aus Kunststoff oder leblose Tiere erst auf den zweiten Blick entlarven. Schubert begibt sich auch an städtische Randgebiete oder verlassene Urlaubsorte und dokumentiert dort die menschlichen Hinterlassenschaften. Diese Arbeiten mit einem Hauch von Tristesse sind sehr poetisch.

Diese Ausstellung hat mir und meiner Frau eine ungewöhnliche Sichtweise geschenkt. Im großen Saal hängt eine Aufnahme, ein Rechteck mit schmaler Seite nach oben (es gibt eine Liste der Bilder, aber keine Nummern). Das Abgebildete sieht wie ein hoher symmetrischer Tannenbaum aus, wobei seine rechte Seite scharf und die linke etwas verschwommen ist. Als wir unsere Köpfe zur Seite neigten, entdeckten wir, dass es sich um einen Wald und dessen Spiegelung im Wasser handelt. Ein schönes, aber schon mehrmals gezeigtes Bild. Wir stritten, ob diese Aufnahme gezielt oder versehentlich so gehängt ist und kamen zum Schluss, dass uns die Künstlerin zeigen möchte: Wechseln Sie den Blickwinkel – so offenbart sich eine neue Sicht auf die Dinge.

Sie können diese Ausstellung noch bis zum 30. August bewundern. Es lohnt sich!

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