Theater & Bühne

Sieben Streiche zu Weihnachten

Gastautor

Wilhelm Buschs schwer erziehbare Jugendliche treiben auch nach über 150 Jahren ihr Unwesen – diesmal auf der Staatstheaterbühne im Martini-Park. 

Aufgeweckt und schelmisch hecken Sarah Maria Grünig und John Armin Sander alias Max und Moritz allerlei Streiche aus, die auf der klappbilderbuchartigen Bühne mit gut ausgewählten Requisiten toll zur Geltung kommen. Aus diversen Schubladen strecken die zwei ihre Köpfe, kraxeln gekonnt über das Dach und verschwinden auf einem Blech im Backofen – was bei der Premiere leider ein paar Tränen zur Folge hatte. 

Die farbenfrohen Kinderbuchoptik-Kostüme, ebenfalls von Elke König, verleihen dem Familienstück eine ästhetisch geschmackvolle Note. Dank gelungener Effekte wie explodierende Pfeifen, wilde Sturzbäche und leuchtende Käfer entfaltet die Theatermagie ihren Zauber. 

Natalie Hünig als resolute Witwe Bolte und Christina Jung als selbstverliebter Schneider Böck überzeugen durch ihre Spielfreude ebenso wie Julius Kuhn als Lehrer Lämpel. Von seiner komödiantischen Leichtigkeit besonders angetan versuchen die Kinder ihn sogar lautstark vor den Streichen zu warnen. 

Dank der Devise »Alter Text meets modernen Sound« erwachen unter der musikalischen Leitung von Stefan Leibold die bekannten Lausbubenreime zu neuem Leben. So wird zum Mission Impossible Theme in die Backstube eingebrochen, zu Billie Eilishs »Bad Guy« Käfer in Onkel Fritz’ Bett versteckt und zur Melodie von »Dangerous Minds« mit Meister Böck um die Wette gerappt.

Restlos begeistert ist das junge Publikum – als Erwachsener fragt man sich allerdings: Ja, was ist denn nun die Moral von der Geschicht? Zwei verhaltensauffällige Kinder, die Tiere töten (wenn auch aus Versehen), alte Menschen traktieren und nichts anderes als Übeltaten im Kopf haben, werden als Bestrafung in die Mühle gesteckt und zu Mehl verarbeitet – so weit, so gut, zumindest im Jahr 1865. Aber heute? Regisseur Markus Steinwender lässt die beiden zwar am Leben, doch hätte man sich einen deutlicheren inszenatorischen Kommentar zur erzieherischen Auswirkung der Geschichte und dem ungesunden Sozialverhalten von Max und Moritz gewünscht – und damit ist nicht der pädagogische Zeigefinger gemeint. Ein kleines Wort der Reue oder ein bisschen Erkenntnis hier und da hätten vielleicht zu einem etwas versöhnlicheren Ende geführt. Aber das ist nur die Meinung eines Erwachsenen …

Interaktion und Inklusion werden beim diesjährigen Weihnachtsmärchen großgeschrieben. So gibt es neben barrierefreiem Zugang und Audiodeskription (in Leichter Sprache, Ukrainisch und Arabisch) auch eine Vorstellung mit Gebärdensprache, bei der Experten alle gesprochenen Texte und Lieder übersetzen. Das ist echtes Theater für alle. 

Weitere Vorstellungen unter www.staatstheater-augsburg.de

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