Vortrag/Workshop

Social Painting

Susanne Thoma
11. Januar 2019
Skyline Augsburg, Künstlerin: Carina Hofmann

Fast täglich findet eine ArtNight in Augsburg statt. Zum Beispiel im Bob's in der Hammerschmiede, im Café Himmelgrün am Alten Schlachthof oder im Mr. Onions im Univiertel. Das Versprechen ist, in zwei Stunden während eines geselligen Abends ein eigenes Bild zu kreieren - als Popart á la Warhol oder Expressionismus á la Kandinsky. Ob das so klappt, wollte ich einmal ausprobieren. Also habe ich einen Abend im Kaffeeseminar der Schwarzen Kiste im Antonsviertel gebucht. 34 Euro soll das kreative Vergnügen kosten, inklusive Material.

ArtNight-Gastgeberin Carina Hofmann erklärt mir und acht anderen Teilnehmenden das Motiv. Wir werden die Ausburger Skyline malen. Was sich zunächst recht einfach anhört, stellt sich später als Geduldsarbeit heraus. »Wer den Anspruch hat, die vielen Fenster des Hotelturms akurat zu malen, wird es in zwei Stunden nicht schaffen«, warnt Kursleiterin Carina gleich zu Beginn. Der erste Schritt heißt: Pausen. Hinter die Leinwand werden Motive geklebt, mit einer Lampe hinterleuchtet und mit Bleistift nachgezeichnet. Unkreativer geht es nicht, war zunächst mein Gedanke. Aber, es war ja nur ein Vorschlag für die Vorgehensweise. Carina schubst uns mit ihrer Methode zunächst ins Geschehen - damit wir einfach loslegen. »Denn die meisten Gäste scheuen sich davor, am Anfang frei zu zeichnen. Wir bieten Vorlagen an, damit die ersten Blockaden überwunden werden können. Selbstverständlich sind alle frei, ihr eigenes Motiv zu zeichnen!«, erläutert sie. Ich wähne mich in eigener Kreativität, denn ich zerschneide die auf Papier kopierte Augsburger Skyline, gruppiere die Gebäude neu und lasse dabei auch ein paar Kirchen weg. Dafür kommt eine selbst gezeichnete Zirbelnuss mit ins Bild. Das sieht doch gleich viel individueller aus! Jetzt kommt Farbe auf die Leinwand, zunächst male ich den hellen Hintergrund. Dann folgt die schwarze Skyline.

Während wir alle so dahin pinseln, entstehen in einer entspannten Atmosphäre Gespräche darüber, wer wen in Augsburg kennt. Carina berichtet, dass es einige Gäste gibt, die immer wieder zum Social Painting kommen. Bei uns wird zwischendruch Essen bestellt, später ist es sehr still, weil alle konzentriert an ihrem Bild arbeiten. Eine Teilnehmerin - sie ist Deutschlehrerin am Maria-Theresia-Gymnasium - formuliert es so: »Die meditative Phase ist bei mir voll im Gang. Ich genieße es!« Und das ist wohl das Erfolgsrezept für die ArtNights. Sie erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit, weil man dem Alltagsstress hier mit Kreativität begegnen kann. »Es ist eine Art Entgiftungskur vom Digitalen«, ist Carina überzeugt. Während die Menschen im Alltag kaum noch mit der Hand schreiben, setzen sie sich hier hin, um in ihrer Freizeit Bilder nachzumalen. Dass Menschen aus gesundheitlichen Gründen pinseln, hat eine lange Tradition. Der Schweizer Psychiater Carl Jung ließ seine Patient*innen zur Jahrhundertwende Mandalas malen, um deren Konzentration zu fördern und das Unterbewusste zu befreien. In unserem Kurs ist es aber nicht ganz Malen nach Zahlen. Je länger die Teilnehmenden an ihren Werken arbeiten, desto mehr weichen sie von der Vorlage ab.

Die Künstlerin Carina möchte ihre Teilnehmer*innen begeistern und Mut machen, etwas Neues zu versuchen. Wie alle Kursleiter*innen hat sie bei der ArtNight GmbH mit Sitz in Berlin einen Bewerbungsprozess durchlaufen. Derzeit ist sie noch in der Ausbildung zur Fachlehrerin für Technik und Kunst. Die Qualifizierung ist aufgeteilt in drei Jahre fachliche Ausbildung und ein Jahr pädagogisch-didaktische Ausbildung. Die Tätigkeit bei ArtNight ist für sie ideal. Anstatt einen Nebenjob in einer Bar zu haben, arbeitet sie künstlerisch. Der Vorwurf, dass mit den ArtNights Kunst zu sehr kommerzialisiert wird, prallt von ihr ab. Ihr geht es in erster Linie darum, dass Menschen zusammen kommen, kreativ sind und am Ende etwas Schönes erlebt haben.

ArtNight wurde 2016 von Aimie Carstensen-Henze und David Neisinger nach US-Vorbild gegründet und lässt sich mittlerweile in 40 deutschen Städten buchen. Weitere europäische Länder sind hinzu gekommen. Diese erfolgreiche Expansion haben die Gründer*innen nicht zuletzt Investoren und Marketingexperten zu verdanken, die sie in der VOX-Sendung »Höhle der Löwen« für sich interessieren konnten. Die Geschäftsprozesse sind durchgestyled - von der Onlinebuchung bis zur abschließenden Kursbewertung, von der die jeweiligen Künstler*innen unmittelbar monetär profitieren. Materialien wie Leinwände, Staffeleien und Farben werden ihnen vom Basisunternehmen gestellt und kommen recht hochwertig daher. Ein paar Kritikpunkte gibt es aber doch noch: Die Pinsel könnten besser sein und was gar nicht geht, sind die Pinselbecher aus Plastik zum Wegwerfen.

Naja, mein fertiges Bild würde ich nicht gerade als Kunst bezeichnen, aber für den Müll ist es auch zu schade. Was hätte Bob Ross dazu gesagt?

Wer bei https://www.artnight.com bucht und den Gutscheincode danke_carina_augsburg angibt, erhält fünf € Ermäßigung.

Das Artikelbild, das hier eingefügt ist, hat Carina Hofmann gemalt.

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