Solidarität

15. Dezember 2017 - 13:47 | Jürgen Kannler

Patrick Wengenroth setzt beim Brechtfestival 2018 auf seine Kolleg*innen vom Theater.

Das Brechtfestival 2018 vom 23. Februar bis zum 4. März trägt das Motto »Egoismus versus Solidarität«. Daraus lässt sich doch etwas machen. Festivalleiter Patrick Wengenroth geht das Thema mit viel Theater an und machte selbst den Anfang mit einer bühnenreifen Soloprogramm-Präsentation kurz vor Weihnachten in der Brechtbühne.

Mehr als die Hälfte des Programms ist dem Theater und dem performativen Akt vorbehalten

Dem von ihm ins Spiel gebrachten Kalauer »Mit Wengenroth die Länge droht« wurde er natürlich nicht gerecht. Weitgehend frei und formschön gesprochen wuselte er sich durch das Unvermeidliche bei solchen Veranstaltungen und auch durch die Programmvorschau, deren Punkte ab dem 23. Februar zehn Tage lang den großen Sohn der Stadt feiern werden. Einzusehen, und zwar ab sofort, ist das Programm auf 8www.brechtfestival.de, der neuen Festivalhomepage, deren Funktionalität den Festivalleiter mit großem Stolz erfüllt. Mit gleicher Leidenschaft lobt er auch das Grafikdesign seines ICH vs. WIR, also »Egoismus versus Solidarität«-Programms.

Dieser kritischen Gegenüberstellung möchte er bei seinem Festival nachgehen. Das Brecht-Fragment »Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer« vom Theater Augsburg macht den Anfang. Fast zeitgleich feiert das Alexander-Eisenach-Stück »Der kalte Hauch des Geldes« im Sensemble Premiere. Der Theatermann Wengenroth setzt 2018 stark auf seine Kolleg*innen. Mehr als die Hälfte des Programms ist dem Theater und dem performativen Akt vorbehalten. So wird das Maxim Gorki Theater mit zwei Inszenierungen nach Augsburg reisen und das Theater Bremen gibt das Gastspiel »Der gute Mensch von Sezuan«. Die lokalen Gruppen von Faks und Theter stehen mit »Fisch Fasch« für Kinder ab acht Jahren bzw. mit »Fatzernation« für Volljährige im Programm. Letztere nehmen demnach das Thema vom Theater Augsburg auf. Auch hier ein ICH vs. WIR.

»Ich glaub nicht, was ich denk« – die andere plakativ gemachte Losung des Festivals

Das große Wort Solidarität trägt nur ein Programmpunkt im Titel. Dieser verspricht jedoch gleich das ganze ABC der Solidarität. In Anlehnung an ein Format des vorvorherigen Brechtfestivalleiters Albert Ostermaier trifft an einem Sonntagmittag BR-Mann Knut Cordsen im Rahmen eines »Literarischen Podiums« auf Stefanie Sargnagel, Bazon Brock und Kathrin Röggla. Darüber spannt ein Banner mit der Erkenntnis »Ich glaub nicht, was ich denk« – die andere plakativ gemachte Losung des Festivals.

Da möchte man doch am liebsten heute schon wissen, was die Vertreter der Regionalpolitik zu diesem Satz zu sagen haben. Und zum Thema Solidarität. Leider erscheint die Programmzeitung des Festivals mit den Grußwortinterviews der Mandatsträger erst Anfang Januar. Vorausgesetzt, eine rasche Zensurverfügung durch das OB-Referat, wie beim Hohen Friedensfest geschehen, verzögert nicht den Druck. Spannend auch, ob und von welcher Seite Patrick Wengenroth in diesem Fall Solidarität erfahren würde. Interessant auch, welche der geladenen Künstler*innen bei dem Festivalmotto »Egoismus vs. Solidarität« auch andere Angebote machen könnten als kritisch-schöngeistige, doch durch und durch theoretische.

Die Kolleg*innen von der zu Stein gewordenen sozialen Plastik Grandhotel Cosmopolis natürlich und Yael Ronen & das Exil Ensemble vom Gorki Theater vielleicht oder der Autor und Herausgeber Deniz Utlu, der mit Marianna Salzmann ein Gespräch unter dem Titel »Außer sich« führen wird. Praktisch, dass Salzmann gleichzeitig auch Hausautorin beim Gorki Theater ist. Sie ist aber (noch nicht) Mitglied in der Brechtpreisjury, wie in unserer Printausgabe fälschlicherweise vermeldet wurde. Das schafft Synergien und spart Fahrtkosten. Vor allem aber zeigt es, dass sich die Verantwortlichen solcher Kulturevents bei der Besetzung der Programme in erster Linie an ihre Netzwerke halten. Aber auch genau aus diesem Grund haben sie das Engagement erhalten, für unseren Kulturort zu arbeiten.

Was passiert beim Brechtfestival 2018? Wer vorab einen persönlichen Eindruck vom Programm bekommen möchte, ist am 29. Januar um 19:30 Uhr in Brecht’s Bistro eingeladen. Patrick Wengenroth stellt dort das Thema des Festivals und die Veranstaltungen vor und gibt interessante Hintergrundinfos.

www.brechtfestival.de

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