Die Spannung liegt im Kampf

4. April 2016 - 9:05 | Thomas Ferstl

Der »Projektor« stellt viele Fragen, auf die Sie im April im Kino Antworten finden können.

»Kampf«, ein maskulines Substantiv, das sich vom mittelhochdeutschen »kampf« und vom lateinischen »campus« (dt.: Feld, Schlachtfeld) ableitet. Der Kampf ist ein wesentlicher Bestandteil der Evolution, denn seit es Lebewesen gibt, die weit genug entwickelt sind, um anderen vorsätzlich zu schaden, gibt es Kämpfe. Es wird und wurde gekämpft um Ressourcen, Fortpflanzungspartner, Territorien, Macht und vieles mehr. Seit der Zivilisierung des Menschen wird zwischen kriegerischem und sportlichem Kampf unterschieden. Gewaltsam oder spielerisch wird also gekämpft. Ist der spielerische Kampf aber weniger gewaltlos als der sogenannte gewaltsame Kampf? Was passiert, wenn sich Helden eines Romanklassikers plötzlich gegen Zombies wehren müssen? Und was ist eigentlich mit dem Kampf gegen einen nahezu unsichtbaren Feind, verbuddelte Landminen? Viele Fragen, auf die Sie im April im Kino Antworten finden können. In welchen Filmen, erfahren Sie hier:

Im Mai 1945 ist für viele der Zweite Weltkrieg bereits vorbei. Nicht so für Helmut (Joel Basman), Wilhelm (Leon Seidel) und einige andere deutsche Jugendliche, die sich in norwegischer Kriegsgefangenschaft befinden. Sie sollen die Küste von 45.000 Nazi-Minen befreien. Eine nahezu selbstmörderische Aufgabe, an deren Ende die Freiheit winkt. Doch dieses Himmelfahrtskommando bleibt natürlich nicht ohne ein tragisches Unglück … Dem dänischen Regisseur Martin Zandvliet gelingt es mit »Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit« (7. April, CinemaxX, Kinodreieck), ein Kapitel des Zweiten Weltkriegs zu beleuchten, das filmisch noch nicht völlig ausgereizt ist. Die Minenräumaktionen inszeniert Zandvliet gekonnt spannend, da bleiben die Handflächen des Zuschauers garantiert nicht trocken. Neben den »alten Hasen« wie Roland Møller spielen auch die Nachwuchsdarsteller gekonnt, allen voran Joel Basman und der noch blutjunge Leon Seidel. Ein Film, der mit historischem Hintergrund, Spannung und einer herzerwärmenden Geschichte zwischen den Jungs und ihrem Kommandanten Carl (Roland Møller) einem breiten Publikum ein gelungenes Kinoerlebnis bietet.

In einen Kampf ganz anderer Art ziehen die Protagonisten in Burr Steers’ »Stolz und Vorurteil & Zombies« (21. April, Cineplex). Genau, der weltberühmte Roman von Jane Austen mit Zombies. Aus den braven Bennet-Töchtern sind knallharte, sexy Zombiejägerinnen geworden, denen kein Untoter des 19. Jahrhunderts entkommen kann. Klingt trashig? Ist es auch. Wenn die alte Austen das wüsste, würde sie glatt selbst zum Zombie werden und sich im Grab umdrehen. Aber wie jede Metzelorgie, die nicht nur totes, sondern auch nacktes Fleisch zeigt, ist es auch ein Riesenspaß. Mehr Anspruch scheint dieses teuer produzierte B-Movie glücklicherweise auch nicht zu haben, wobei die Rollen durchaus gut besetzt sind. Britische Stars wie Jack Huston, Matt Smith, Lena Headey und Sam Riley als Mr. Darcy verleihen dem Streifen zumindest einen darstellerischen Anspruch. Eins-a-Popcorn-Unterhaltung, aber Fans von anspruchsvollem Kino lassen lieber die Finger von Steers’ Film, sonst beißt ein Zombie zu. Ohne Rücksicht, Sie verstehen?

In Edward Zwicks »Bauernopfer – Spiel der Könige« (28. April, CinemaxX) kämpft Tobey Maguire als Schachtalent Bobby Fischer am Spielbrett gegen Liev Schreiber als Boris Spasski. Der Film fokussiert sich auf das Weltmeisterschaftspiel des amerikanischen Schachtalents und seines russischen Gegenspielers in Reykjavik 1972. Als stellvertretende Austragung des kalten Krieges zieht die Partie bereits im Vorfeld die mediale Aufmerksamkeit auf sich. Da Fischer aber ein krankhaft paranoider Exzentriker ist, glaubt er, dass sich die Welt gegen ihn verschworen hat, und droht das Match abzusagen. Getragen von Maguires feinfühliger Darbietung überzeugt dieser hervorragend produzierte Film mit spannenden Momenten und einem dynamischen Rhythmus.

Foto: In »Bauernopfer – Spiel der Könige« führen Boris Spasski (Liev Schreiber, l.) und Bobby Fischer (Tobey Maguire, r.) den kalten Krieg stellvertretend auf dem Schachbrett.

Thema:

Weitere Positionen

25. Januar 2021 - 15:02 | Gast

Paul Abrahams »Viktoria und ihr Husar« im Livestream aus dem Gärtnerplatztheater in München

22. Januar 2021 - 14:46 | Martin Schmidt

Mit »In Exile« (Stream | CD) legen On The Offshore ihr erstes Album seit elf Jahren vor.

18. Januar 2021 - 13:18 | Bettina Kohlen

Die letzten beiden der insgesamt sieben Wegekapellen, die von der Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung initiiert wurden, sind im September und Dezember 2020 errichtet und ökumenisch gesegnet worden. Der Kreis ist somit geschlossen.

14. Januar 2021 - 9:43 | a3redaktion

Im Rahmen der Reihe »Kulturregion trotz Corona« präsentiert a3kultur Podcasts mit Teilnehmer*innen des Kunstprojekts qp. Der Quartier-Parcours zeigt 24 Interventionen von Künstler*innen und Kulturgruppen im Gaswerkquartier.

11. Januar 2021 - 6:00 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Filmkolumne im Januar: Regisseur David Fincher hat mit »Mank« seinen vielleicht persönlichsten Film gemacht.

8. Januar 2021 - 6:40 | Gudrun Glock

Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder steckt voller Überraschungen. Einige kreative Macher*innen erschließen dieses Potenzial auf vielfältige Weise und lassen dabei ihrem Einfallsreichtum freien Lauf. Ein Interview mit Anja Dördelmann, Eva Liebig und Stephanie Schmid

6. Januar 2021 - 6:40 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 5: Dr. Christof Trepesch, Kunstsammlungen und Museen Augsburg

5. Januar 2021 - 6:40 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 4: Marius Müller, Stadtbücherei Augsburg/Buch-Haltung

4. Januar 2021 - 6:40 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 3: Daniela Bergauer und Michael Hehl, Liliom Kino

3. Januar 2021 - 6:02 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 2: Valentin Holub, bayerische kammerphilharmonie