Spiel mit der Vergänglichkeit

28. Juli 2014 - 13:25 | Patrick Bellgardt

Kunst auf Zeit von Benjamin Appel und Carolina Pérez Pallares im Höhmannhaus

Wer in diesen Tagen das Höhmannhaus betritt, sollte auf seine Schritte achten. Unmittelbar nach der Eingangstüre erwartet die Besucher ein etwas unscheinbares Bodengemälde von Carolina Pérez Pallares. Das fragile Werk aus Mehl und Kreide ist mit seinen hellen Blau-, Rot- und Gelbtönen leicht zu übersehen. Das feine Material ist stetig der von draußen hereingetragenen Witterung ausgesetzt und führt so ein gewisses Eigenleben. Bei jedem Luftzug verändert sich das Gemälde, auf dem bereits deutliche »Krater« zu erkennen sind. Trotz aller Vorsicht der Besucher wird die zarte Arbeit wohl nicht zu retten sein. Spätestens nach dem 7. September, dem letzten Ausstellungstag, wird das Werk leider ohnehin verschwinden. Es ist ein Spiel mit der Vergänglichkeit.

Die Ausstellung »wenn weiß keine farbe ist, warum sind wände dann gerade?« bringt Carolina Pérez Pallares und Benjamin Appel in Form ihrer ersten Gemeinschaftsarbeit zusammen. Privat sind die in Karlsruhe lebenden Künstler bereits seit längerem ein Paar. Appel, der ursprünglich aus Augsburg stammt, wuchs wie seine in Quito geborene Partnerin in Ecuador auf. Biografische Aspekte, die sich in ihrem Werk wiederfinden. So prallen an den Wänden des vorderen Raums gewachsene Natur und menschliche Ordnung aufeinander. Zwölf Wohnungsgrundrisse hängen neben zwölf Fotografien südamerikanischer Natur. Den akkuraten und technischen Plänen werden auf diese Art wilde und ungebändigte Landschaften gegenübergestellt – ein Zusammenspiel zweier Welten. Appel hat selbst in diesen Wohnungen gelebt. Die Fotografien stammen hingegen von Pérez Pallares.

Dieser Dialog setzt sich im hinteren Raum der Galerie fort, wo das Paar einen temporären Eingriff in die Architektur des Hauses vorgenommen hat. Appelts schwere Installation aus Beton und Metall erinnert an eine Bühne. Ob und welche Funktion der Anbau hat, bleibt dem Betrachter zwar ein Rätsel, er schafft jedoch einen völlig neuen Blinkwinkel auf die Architektur des Raums. Trotz ihrer Stabilität wird auch die Installation nur für wenige Wochen überdauern. Pérez Pallares antwortet mit klassischen Fresken, die das ohnehin schon sakral wirkende Gewölbe des Höhmanhauses in hellen, sich überlagernden Farben wunderbar ergänzen. Man möchte fast hoffen, dass zumindest diese Arbeit nicht nur in den Köpfen der Besucher erhalten bleibt.

»wenn weiß keine farbe ist, warum sind wände dann gerade?« ist noch bis zum 7. September im Höhmannhaus zu sehen.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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