Vom Spielen und Schreiben

15. November 2017 - 13:50 | Michael Friedrichs

Der Literaturpreis Schwaben wurde in diesem Jahr zum 13. Mal verliehen. Ein Beitrag von Michael Friedrichs

»Spielen« war in diesem Jahr das Thema des vom Bezirk Schwaben ausgeschriebenen Literaturpreises. Autorinnen und Autoren im Bayerischen Schwaben, in Baden-Württemberg oder Österreich fühlten sich wie in den Vorjahren angespornt, eigene Erlebnisse, phantastische Erzählungen oder historische Ereignisse in Prosaform zu gießen. Am 14. November war die feierliche Preisverleihung im Rokokosaal der Regierung von Schwaben.

Der erste Preis ging an Eleonora Hummel für ihre Erzählung »Der Junge vom Feld« – eine überaus charmante Geschichte von einem jungen Traktoristen in einer kasachischen Kolchose, der sich plötzlich zum Theaterspielen aufgefordert sieht. Eleonora Hummel ist mit mehreren Romanveröffentlichungen die Erfahrenste unter den Ausgezeichneten. Den zweiten Preis errang Michaela Hanel mit »Leevke«; sie erzählt vom schwierigen Vorsprechen in einer Wiener Schauspielschule. Der kunstvolle Text von Jos Schneider, der in Augsburg studiert und hier 2015 den Kunstförderpreis erhalten hat, heißt »Caligo«, was sich mit »Dunst, Nebel« übersetzen lässt, oder auch mit »Schwindelgefühl«. Marie Saverino, Nachwuchsautorin, studiert Literarisches Schreiben – offenbar mit Erfolg; ihr Text »Dort am Meer« beschreibt eine heitere sizilianische Vater-Tochter-Heimat-Beziehung.

Das allererste Thema des Literaturpreises des Bezirks Schwaben, ausgeschrieben von Heimatpfleger Peter Fassl 2005, war »Krieg und Frieden«. Seitdem gibt es den jährlichen Wettbewerb mit einem Thema, Einsendeschluss ist der 30. Juni, im November werden die Preise verliehen. Die Ausschreibung wird auf der Homepage des Bezirks veröffentlicht, auch in einigen Presseorganen. Es gibt drei Geldpreise zu gewinnen, ferner einen Jugendpreis (bis 25 Jahre) in Form der Teilnahme an der Meisterklasse Literatur beim Kunstsommer in Irsee. Das ist alles offenbar sehr attraktiv für die vielen Schreiblustigen in Stadt und Land – denn es können durchaus 150 und mehr Texte sein, die eingereicht werden. Diesmal waren es 146, im Umfang von bis zu 15 Seiten – viel Arbeit für die siebenköpfige Jury. Einige Jurymitglieder sind über die Jahre ausgeschieden, andere an ihre Stelle getreten – ich gehöre zu denen, die von Anfang an dabei waren.

Der Kreis der Teilnehmer ist eingeschränkt. In der Ausschreibung heißt es: »Teilnahmeberechtigt sind Autoren, die im schwäbisch-alemannischen Kulturraum leben oder in diesem ihre biographischen Wurzeln haben.« Wer einen Text einreicht, schreibt Namen und Anschrift und, wenn das zweifelhaft sein kann, seinen Bezug auf den bewussten »schwäbisch-alemannischen Kulturraum« auf ein gesondertes Blatt; Mitarbeiter der Heimatpflege erstellen eine interne Liste, prüfen die Zulässigkeit und verteilen die Texte an die Juroren. Wir lesen daher ohne Kenntnis der jeweiligen Verfasser. (Anfangs hatten wir Sorge, es könnte sich ein Walser oder Enzensberger darunter befinden und wir würden ihn womöglich nicht herausschmecken – größtmögliche Blamage! Andererseits mag sich vielleicht auch ein renommierter Autor genieren, wenn er einreicht und womöglich dann nicht vorne landet. Darum wohl ist uns dieser Härtetest bisher erspart geblieben.)

Wir in der Jury bilden uns zunächst jeder für sich Auffassungen über die Einreichungen, jeder hat ein etwas anderes System, vergibt Punkte oder macht gleich Vorschläge für die Preisvergabe. Dann setzt man sich zusammen und diskutiert stundenlang. Es hat sich herausgestellt, dass ein wichtiges Kriterium ist, ob man sich einen Text über mehrere Wochen hat merken können. Einig sind wir selten, am Schluss wird abgestimmt, und mit den Ergebnissen waren bisher immer alle zufrieden.

Alle eingereichten Texte werden bei der Heimatpflege archiviert; das so heranwachsende umfangreiche Textkorpus wird sicher einmal unter akademischen Kriterien erschlossen werden. Mittlerweise sind wir im 13. Jahr. 

Zur Preisverleihung erscheint ein Taschenbuch: Es enthält die preisgekrönten Arbeiten sowie einige weitere, die die Jury zum Abdruck empfohlen hat. Beauftragt ist der Wißner-Verlag, dem ich als freier Mitarbeiter angehöre, und mich trifft jeweils die Ehre, im engen Kontakt mit Autor*innen und Verlag eine fehlerarme Druckfassung zu erstellen, »just in time«; bisher hat es immer geklappt. Das Buch ist für 12,80 € im Handel erhältlich.

Foto: Im Rokokosaal, eingerahmt von Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und Bezirksheimatpfleger Peter Fassl, präsentieren sich die Preisträger: Michaela Hanel, Eleonora Hummel, Jos Schneider und Marie Saverino.

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