Ein Stern zum Greifen nah

13. Januar 2020 - 9:33 | Sarvara Urunova

Der charismatische Pianist Tim Allhoff gastierte am 11. Januar im Jazzclub Augsburg.

Das Album, das Allhoff an diesem Abend präsentierte heißt »Lepus«. So werden in lateinischer Sprache die Hasen genannt. Was auf den ersten Blick konventionell klingt, entpuppt sich als etwas Besonderes. Mit seinen Stücken greift der Musiker viel mehr nach den Sternen, was eher dem gleichnamigen Sternbild Lepus entsprechen könnte.

Schon die erste Komposition des Abends, die den Titel »Sehnsucht« trägt, zeigte die Getriebenheit des Künstlers, der den Himmel noch nicht greifen kann. Auf dem Weg dahin können einem auch die Dämonen begegnen: Das Stück »The Demogorgon« illustrierte eindrücklich die Dynamik der Begegnung mit der dunklen Seite. An der Seite von Allhoff spielte dabei hervorragend der Tenorsaxofonist Lutz Häfner. Der kurzfristig eingesprungene Christian Diener am Bass und der Drummer Bastian Jütte machten die Band komplett.

Der Schmerz der Ablehnung wurde mit dem Standard »Body and Soul« ins Spiel gebracht. Das Stück »Fourth of July« von Sufjan Stevens, das auch auf dem Album zu hören ist, zeigte eindringlich den visionären Wunsch nach Veränderung. Um alle Hürden zu überstehen, hilft dann auch die Verspieltheit eines Hasen. »I am Hareman« heißt der Song, der mit Leichtigkeit und seinem Sinn für Humor überzeugte.

Das Spiel des Abends war nicht nur durch seine Dynamik und tiefe Gefühle bemerkenswert, Tim Allhoff schaffte mit seinem futuristischen Musikblick und Charisma eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.

Wer dieses Konzert verpasst hat, bekommt bald die Möglichkeit, den Musiker erneut im Jazzclub zu hören. Dort wird er am 13. März sein neuestes Album »Sixteen Pieces for Piano« präsentieren.

Bis dahin bietet der Jazzclub neben seinem regulären Programm ein neues Format für alle Jazzfans an. Jeden Donnerstag ab dem 23. Januar kann man im Rahmen der Reihe »Cine & Jazz« die Jazzlegenden auf der Leinwand des Clubs bei freiem Eintritt erleben.

www.jazzclub-augsburg.de
www.timallhoff.com

Thema:

Weitere Positionen

1. März 2021 - 13:20 | Renate Baumiller-Guggenberger

Brechtfestival, Tag 3: fünf Autorinnen mit Auszügen aus ihren Werken, das Ehepaar Lina Beckmann/Charly Hübner mit »HelliBert & PandeMia« und zwei mitreißende Slampoet*innen.

28. Februar 2021 - 13:58 | Anna Hahn

Der zweite Abend des Brechtfestivals präsentierte unter anderem ein Konzert der »Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot«, Stefanie Reinsperger mit »Ich bin ein Dreck«, Corinna Harfouchs Kurzfilm »Fabriktagebuch/Die Mutter« und einen Beitrag von L-Twills zu Inge Müller.

27. Februar 2021 - 13:40 | Renate Baumiller-Guggenberger

Auftakt zu #digitalbrecht mit der Video-Adaption von Heiner Müllers »Medeamaterial«, Suse Wächters ersten Folgen des Hysterienspiels mit Puppen »Helden des 20. Jahrhunderts singen Brecht« und dem aus der Ukraine übertragenen Konzert des Frauenseptetts »Dakh Daughters«

25. Februar 2021 - 11:48 | Juliana Hazoth

Von Brecht bis heute: Hörspiele schaffen eine besondere Form der Intimität und können gesellschaftlich relevante Themen packend darstellen. Lesebedarf – die a3kultur-Literaturkolumne

24. Februar 2021 - 9:14 | Gast

Martyn Schmidt inszeniert auf seinem Album »kammerton a'a« den demokratischen Neubeginn nach 1945 als großartiges musikalisch-dokumentarisches Hörspiel. Von Gerald Fiebig

22. Februar 2021 - 15:13 | Anna Hahn

Das Staatstheater Augsburg zeigt in seiner Digitalsparte Einar Schleefs »14 Vorhänge« als Uraufführung im imposanten Bühnenbild.

22. Februar 2021 - 11:38 | Martin Schmidt

Der im Hirmer-Verlag erschienene Bildband »Klinger« tröstet über die größtenteils verhinderten 2020er-Jubiläumsschauen zum 100. Todestag des Bildhauers, Malers und Grafikers hinweg. Der Ausstellungskatalog: ein neues Standardwerk und Appetizer auf eine zu erhoffende Ausstellungsfortsetzung.

19. Februar 2021 - 14:04 | Bettina Kohlen

Bei »augsburg contemporary« geht das Projekt »Domestic Space« in die erste von drei Runden.

18. Februar 2021 - 9:30 | a3redaktion

Der Podcast »the ear in earth« präsentiert Audioculture aus Literatur, Poesie und Contemporary Classic

17. Februar 2021 - 6:40 | Gudrun Glock

Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder steckt voller Überraschungen. Einige kreative Macher*innen erschließen dieses Potenzial auf vielfältige Weise und lassen dabei ihrem Einfallsreichtum freien Lauf. Ein Interview mit Anja Dördelmann, Eva Liebig und Stephanie Schmid