Der stoffliche Lebenswandel

17. Juli 2015 - 11:51 | Bettina Kohlen

Die amerikanische Performance-Künstlerin Heather Sheehan bezieht sich in ihrer Ausstellung im Kunstverein Augsburg auf die textile Vergangenheit der Stadt, doch auch auf Leben, Arbeit und Wandel.

Ein Band fließt auf den Wänden durch den Raum. Sheehan hat mit einem Graphitstift dem Prozess des Webens nachgespürt und auf diese langwierige Weise Zeichen gesetzt, die sowohl den textilen Aspekt als auch die Wasserläufe Augsburgs einbeziehen. Die unvermeidlichen Abnutzungserscheinungen der empfindlichen Arbeit sind einkalkuliert…

Fotografien und Videos geben einen Einblick in Heather Sheehans Installations- und Inszenierungsarbeiten, in denen das Textile eine wichtige Rolle spielt. Die Performance-Künstlerin, verhüllt ihren eigenen Körper in ihren eindringlichen Inszenierungen oft mit groben Stoffen und befreit ihn wieder daraus. Sie inszeniert sich ohne Zuschauer im von ihr gewählten Raum und hält die Situation per Selbstauslöser mit der Kamera fest. Diese kleinformatigen analogen schwarzweiß-Bilder, die vage an amerikanische Fotografien der 1930er Jahre erinnern, sind nicht losgelöst zu betrachten, sondern als der Teil des künstlerischen Prozesses, der dem Betrachter zugänglich ist.

Die Augsburger Ausstellung startete mit der Performance „alighting“, bei der Sheehan eine lyrisch unterfütterte Metamorphose durchläuft: Unvermutet setzt sich ein vor der Tür liegender Sack in Bewegung. Dieses Jute-Wesen kriecht durch den Raum und wandelt sich dabei. Mit Rupfen, Organza und dem eigenen weißen Arbeitskleid kommentiert Sheehan den Wandel und Kreislauf des Lebens.

Wer den eindrucksvollen Eröffnungsabend verpasst hat, sollte sich am 19. August eine weitere Sheehan-Performance nicht entgehen lassen: „receding“ startet um 19 Uhr.

Die Ausstellung läuft bis zum 20. September. Eintritt frei

www.kunstverein-augsburg.de

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