Straßenfotografie aus Marokko

22. November 2019 - 7:17 | Iacov Grinberg

Fabian Schreyer ist in Augsburg nicht nur dank seiner Kolumne Augsbürger in der Neuen Szene, sondern auch dank verschiedener Ausstellungen seiner Straßenfotografie bekannt.

Diese Art von Aufnahmen fordern zwei „Tugenden“: Einerseits sollte man imstande sein, aus einem großen Panorama mit sehr vielen Objekten und Personen, die man auf der Straße sieht, etwas Besonderes in den Fokus zu nehmen. Das kann ein zufälliges Spiel von Licht und Schatten, ein Blick oder eine Haltung einer Person, eine komische oder wunderbare Anordnung von Objekten gegen- oder nebeneinander sein. Andererseits sollte man rechtzeitig den Auslöser drücken, um den gewünschten flüchtigen Moment zu verewigen.

Auf seinen Fotografien aus Marokko sind Erwachsene nur aus der Entfernung sichtbar. Einen Menschen dort zu fotografieren, stößt auf Vorbehalte. So konzentriert sich der Künstler auf nicht widersprechende „Objekte“ – Landschaften, Gebäude, Kinder, Katzen.

Die Menschen auf den Fotos sind in ihrer landestypischen vollbedeckenden Kleidung zu sehen. Die Farben sind grell – die Sonne scheint in diesen Breiten besonders hell. Katzen bilden einen wesentlichen Teil der Zivilisation. Für uns Bewohner der Großstädte mit vielstöckigen Gebäuden und heftigem Verkehrsaufkommen sind freilaufende Tiere ungewöhnlich. Dort leben sie von der Jagd und von den Almosen der Menschen, die sie manchmal füttern.

Wissenschaftler behaupten, dass unsere Neigung zu Katzen tiefe Wurzeln hat. Unsere Vorfahren standen auf dem Speiseplan von Großkatzen – ein Sieg gegen diese Räuber war eine große Heldentat. Nicht umsonst beschreibt die Bibel den Sieg des künftigen Königs David gegen einen Löwen, in vielen Volkssagen tragen anerkannten Helden eine Löwen- oder Tigerhaut als Zeichen ihres Heldentums. Die kleinen Kopien, unsere Hauskatzen, beruhigen unsere tief angeborenen Ängste.

Die meisten von Fabian Schreyers derzeit im Anna Café ausgestellten Fotografien übertragen mit Hilfe von Gebäuden, Menschen, Farben, Schatten und Katzen auch eine Stimmung, und sind in diesem Sinne eindeutig gelungen. Die Wände des Cafés geben für nur 14 Aufnahmen Platz. Fast 70 weitere sind auf einem Bildschirm zu betrachten, wo sie in einer Schleife projiziert werden. Es lohnt sich zweifelsohne sie zu bewundern. Dies ist noch bis zum 31. Januar möglich.

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