Stuhl ist nicht gleich Stuhl

15. September 2019 - 14:34 | Iacov Grinberg

In seiner Kunsthalle im abraxas zeigt der Berufsverband Bildender Künstler die Ausstellung »besSITZen – Objekt Stuhl«.

Das Objekt Stuhl kann keinesfalls einen Mangel an Aufmerksamkeit seitens seines Schöpfers beklagen. Generationen von Designern haben sich mit Stühlen beschäftigt. In diesem Sinne beschreitet die am Sonntag, 15. September, eröffnete Ausstellung des BBK »beSITZen« keine gänzlich neuen Wege. Die Schau schenkt ihren Besuchern aber zahlreiche (50 Objekte von 50 Künstlern) neue Ansichten.

Die Wahrnehmung ist vom momentanen seelischen Zustand des Betrachters, seinen aktuellen Problemen und seiner Laune abhängig. Ich habe nach meinem Geschmack 14 Arbeiten bemerkt, die mir etwas Wesentliches gesagt haben. So scheint mir der »Folterstuhl« von Rita Maria Mayer als eine Fortsetzung eines beliebten Grundschulstreichs, wenn man auf die Sitzfläche eines anderen Schülers eine Reißzwecke legt. »Fragil oder die Illusion des Besitzes« von Gabriele Hornauer erinnerte mich an die Arbeit »Gesetz« auf dem Campus von Universität, wo viele Stühle auf einem Hügel angeordnet sind – verschieden hoch, ihre Sitzfläche aber auf der gleichen Ebene. »Der Heilige Stuhl« von Ingrid Olga Fischer, bei welchem der Stuhlrücken vom Neuen Testament und die Sitzfläche aus der Abbildung eines Goldbarren gebildet ist, schien mir etwas zu leichtfertig.

Bei dieser Ausstellung sind jedoch nicht nur Eindrücke interessant, sondern auch der mögliche Nutzen für den Betrachter. Wenn wir früher Ingenieuren beibrachten, neue Ideen zu finden, benutzten wir die berühmte Übung von Edward de Bono: Man zeigt den Lernenden ein Objekt, zum Beispiel einen Ziegel, und bittet sie, sich 20 verschiedene Nutzungsmöglichkeiten für dieses Objektes einfallen zu lassen. Das stößt sie aus der routinemäßigen Denkweise. Solche Listen (es gibt eine Liste mit mehr als 200 Nutzungsmöglichkeiten einer Büroklammer!) helfen ihnen in ihrer weiteren Arbeit wesentlich.

Mit einer großen Wahrscheinlichkeit haben Sie, liebe Leser*innen, Aufgaben, die neue Zugänge fordern. Besuchen Sie die Ausstellung des BBK und schauen Sie sich die Vielfalt der künstlerischen Zugänge zu einem einfachen Objekt, einem Stuhl, an. Das kann auch Ihnen helfen, neue Wege zu finden und Probleme erfolgreich zu lösen. Natürlich ist auch die künstlerische Vielfalt selbst spannend. Die Ausstellung ist bis zum 13. Oktober zu sehen.

www.kunst-aus-schwaben.de

Abbildung: Gabriele Fischer – Besitz, 2019, Foto: Gabriele Fischer
 

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