Surreale Welt

29. März 2019 - 10:54 | Renate Baumiller-Guggenberger

David T. Littles Oper »JFK« feierte am Staatstheater Augsburg ihre europäische Erstaufführung und wird vom Publikum gefeiert.

Während Trump ob seiner Entlastung frohlockt und seinen Gegnern mit Rache droht, begegnete man in Augsburg zumindest auf der Opernbühne einem ganz anderen amerikanischen Präsidenten, dem »Phänomen Kennedy«. Für viele Menschen stand er für die Hoffnung auf Frieden in einer gerechten Welt. Sein Tod am 22. November 1963 kam buchstäblich aus heiterem Himmel über Dallas und nährt bis heute Verschwörungstheorien.

Die europäische Erstaufführung der Oper »JFK« aus der Feder des amerikanischen Komponisten David T. Little (*1978) begeisterte am Sonntagabend die Zuschauer im martini-Park. Die aufwändige Inszenierung durch Roman Hovenbitzer und sein Produktionsteam nimmt in 31 Momenten und einem Prolog mit auf eine gefilmte Traumreise in die letzten zwölf Stunden vor dem Attentat. Der starke Einstieg, in Zeitlupe »gedreht«, blendete historisches Foto- und Filmmaterial sowie zur grellen Show mit Plüschbär und Rodeo überzogene Treffen mit Chruschtschow oder Vizepräsident L.B. Johnson ein. Doch alles könnte sich genauso zugetragen haben, zumindest in den Morphinträumen des von Rückenschmerzen geplagten John F. Kennedy, der auch auf der Bühne viel Zeit in der Badewanne verbringt.

Gemeinsam mit seinem Librettisten Royce Vavrek führt der Komponist in eine bewusst surreale Welt, in der sich das legendäre Paar »Jack und Jackie« immer wieder selbst befragen. In weiten Teilen berauscht die Partitur den Hörer, saugt ihn förmlich hinein in die von dunklen Vorahnungen erfüllte Atmosphäre, streut dann geschickt Brüche und dissonante Zwischentöne oder kurz texanisches Lokalkolorit und punktet mit atemberaubenden Solopartien insbesondere für die dominante Rolle der eleganten, Chanel affinen First Lady. Mit der stimmlich und schauspielerisch phänomenal wandlungsfähigen Mezzosopranistin Kate Allen war die Rolle von Jaqueline Bouvier Kennedy mehr als ideal besetzt. Sie machte es ihrem Bühnengatten, dem Bariton Alejandro Marco-Buhrmester, nicht leicht, neben ihr zu glänzen, auch wenn er den staatsmännischen Ton zwischen totaler Erschöpfung und präsidialer Soll-Erfüllung gut traf. Schnell also fielen die Masken, die Staatsetikette und Protokoll verlangen, um in den Wach- und Alpträumen den familiären, den seelischen wie realpolitischen Abgründen Platz zu schaffen und die von Trauer, Abhängigkeit und gegenseitiger Achtung bestimmte Paarbeziehung von Jack und Jackie ins Zentrum zu rücken.

Fazit in Kürze: Spannendes zeitgenössisches Musiktheater, durchaus Sehens- und hörenswert, was wie immer auch an dem fantastischen Philharmonischen Orchester, diesmal unter der Leitung von Lancelot Fuhry, lag.

Weitere Termine:
www.staatstheater-augsburg.de/jfk

Foto: Jan-Pieter Fuhr

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