Tanz der Neuronen

23. Oktober 2016 - 8:25 | a3redaktion

Das lab30 präsentiert vom 27. bis 30. Oktober internationale Medienkunst, hochkarätige Performances und spannende Workshops – und das nicht nur in der Festival-Homebase abraxas.

Zum 15. Mal vereint das lab30-Festival Soundbastler, Medienkunstexperten, Techniknerds, Familien und Kunstinteressierte im Kulturhaus abraxas. Neben einer wie gewohnt interaktiven Ausstellung mit 15 Exponaten faszinieren im umfangreichen Live- und Workshop-Programm Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa, Korea, Japan und Kanada. Für die Auswahl der Arbeiten zeichneten in diesem Jahr Barbara Friedrichs, Gerald Fiebig und Mona Rother verantwortlich.

lab30-Liveprogramm: DIY-Instrumente und elementare Erfahrungen

Eingeläutet – und eingeleuchtet – wird das Festival von der niederländischen Gruppe Optical machines, die zur Eröffnung am 27. Oktober mit umgebauten Plattenspielern, neu konstruierten Lampen, Kameras und analogen Synthesizern ein Spektakel mit live generierten Lichtbildern präsentiert. Aus der eigenen Werkstatt stammen auch die Klangapparate von Eli Gras. An zwei Abenden improvisiert die Spanierin unter dem Motto »Happy Electroacoustics« auf ihren selbst gebauten Instrumenten. Auch Laptop-Fans und Freunde einer klaren Bildsprache kommen beim lab30 auf ihre Kosten: Der Kanadier Maotik präsentiert zwei aktuelle Projekte, die unsere Wahrnehmung von Raum und Zeit in Highend-Projektionen übersetzen. Nicht weniger futuristisch mutet der DJ-Battle »ScratchKO« an, der am Freitagabend zwischen DJ Opcode und einem Roboter stattfinden wird: Das Publikum entscheidet, wer besser abschneidet!

Eine ganze Reihe der Künstlerinnen und Künstlern, die zum Festival eingeladen wurden, beschäftigt sich mit den Grundelementen. Am Eröffnungsabend gehen Matthias Fischer und Erik Zwang-Eriksson im Märchenzelt in einer elektroakustischen Performance den faszinierenden Geräuschen von Feuer nach. Die japanische Klangkünstlerin Tomoko Sauvage arbeitet hingegen mit Wasser: Mit Tropfen, Wellen und Blasen in ihren »Waterbowls« und zusätzlichem Audio-Feedback schafft sie eine fragile Tonalität. Der Luft wiederum hat sich die Koreanerin Sabina Ahn verschrieben, die in ihrer Performance »Breath« mit ihrem eigenen Atem eine Glühbirne zum Leuchten bringt. Am letzten Festivalabend schließlich nimmt der preisgekrönte Medienkünstler Konrad Korabiewski das Publikum mit nach Island ins ständige »White-Out«. Seine eindrückliche Performance »Fjarðarheiði« vermittelt mit Field Recordings und monochromen Zwei-Kanal-Fotomontagen intensive Eindrücke aus dem hohen Norden zwischen Schnee und Eis.

Kunstlabor-Ausstellung: interaktiv und politisch

Elementar geht es auch in der lab30-Ausstellung weiter: Mithilfe von Trockeneis hält die Medienkünstlerin Verena Friedrich in »The long now« eine Seifenblase so lange wie möglich am Leben. Luftig geht es auch bei »My silent balloons« und »[onyk:s]« zu, wo Besucher mittels kleiner Apparaturen Ballons zum Klingen bringen oder aber ihren Alltagssorgen »entschaukeln« können. Ein großer Teil der Arbeiten, die der internationalen Ausschreibung der Kuratoren gefolgt sind, ist interaktiv und lädt dazu ein, sich selbst auszuprobieren.

So fordern die Exponate »machines antiques et chromatiques« und »Wanderl_st« etwas motorisches Geschick: Hier kann man alte Nähmaschinen antreiben, um Bilder zu generieren, oder mit Dartpfeilen die Projektion einer Online-Karte durch verschiedene Länder navigieren. Wie es in den Ländern der EU um die gemeinsamen Werte steht – dieser Frage gehen gleich zwei Installationen nach: »Welcome to Schengenland Paradise« ist eine überdimensionierte europäische Flagge, die begehbar ist. In »Wider die Wand« werden auf einem Tablet europäische Nationalhymnen zitiert und die Besucher sind aufgefordert, diese Werte zu verbalisieren – wie halten wir es mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Europa?

lab30 in der Stadt: akustische Intervention und Glaubensklänge

Wie in den Vorjahren präsentiert das lab30 Kunst auch außerhalb der Festival-Location abraxas: Mit einer akustischen Intervention wird der Italiener Davide Tidoni über einen mobilen Lautsprecher weißes Rauschen an der Bürgermeister-Ackermann-Straße erklingen lassen und so den öffentlichen Raum zum Konzertort machen. Je nach Verkehrsaufkommen, Geschwindigkeit, Anzahl und Größe der Autos entwickelt sich eine ortsspezifische Komposition.

Eine weitere Brücke in die Augsburger Innenstadt schlägt der Linzer Medienkünstler Reinhard Gupfinger: Im Rahmen des Residency-Programms »Welcome in der Friedensstadt« hat der lab-award-Preisträger von 2011 neun Augsburger Glaubensgemeinschaften besucht, ihre Gebete und Konzerte aufgezeichnet und die Klangaufnahmen in Reliefs umgearbeitet. Diese eindrücklichen Arbeiten unter dem Titel »Silent House of Prayer« können seit Mitte September und bis zum Ende des Festivals in der Galerie Beate Berndt am Fischertor bestaunt werden. Im Rahmen des lab30 findet am 29. Oktober um 11 Uhr ein Künstlergespräch statt, in dem der Medienkünstler seine Arbeiten persönlich erläutert.

Workshops: Musikinstrumente selbst gebaut

Damit Kinder und Erwachsene auch wieder selbst Hand anlegen können, bietet das lab30-Festival in Kooperation mit »Mehr Musik!« in diesem Jahr zwei Workshops und eine Fortbildung für Lehrkräfte an: Kinder ab acht Jahren und Erwachsene können unter der Anleitung des Berliner Instrumentenbauers Stefan Roszak akustische Musikinstrumente bauen, die ohne elektronische Verstärkung auskommen – Saiteninstrumente, Donnertrommeln, Schlauchtrompeten und mehr stehen hier auf dem Programm. In einer zusätzlichen Fortbildung gibt Stefan Roszak interessierten Lehrkräften die Möglichkeit, sich mit digitalen Aufnahmegeräten vertraut zu machen. Elektronisch wird es bei Eli Gras, die gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmern aus ausrangierten Materialien neue, seltsame und schöne Instrumente und die dazu passenden Kontaktmikrofone bauen wird.

Das lab30 ist am Donnerstag, 27. Oktober, und Freitag, 28. Oktober, von 19 bis 24 Uhr, am Samstag, 29. Oktober, von 14 bis 24 Uhr sowie am Sonntag, 30. Oktober, von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Tagesticket kostet 12 Euro (ermäßigt: 10 Euro). Am Samstag- und Sonntagnachmittag werden 7 Euro (ermäßigt: 5 Euro) fällig. Im Anschluss an das reguläre Programm kann man die Festivalnächte von Donnerstag bis Freitag im lab30-Club im abraxas ausklingen lassen. Karten gibt es im Kulturhaus abraxas, im Kulturamt sowie an der Tages- und der Abendkasse. Das vollständige Programm finden Sie ab dem 29. September unter:
www.lab30.de

Foto: Bei der Installation »machines antiques et chromatiques« können die Besucher alte Nähmaschinen antreiben, um Bilder zu generieren.

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