Technik, Erfahrung, Position

24. Mai 2019 - 22:44 | Iacov Grinberg

Junge Schweizer Fotografen präsentieren sich in der Neuen Galerie im Höhmannhaus.

Die ausgestellten Fotografien, Werke von Finalisten des Vfg-Nachwuchsförderpreises junger Schweizer Fotografen, hinterlassen einen angenehmen Eindruck. Die Künstler (Jahrgänge 1980 bis 1992) sind keine Schüler, die ausschließlich gegen alte Ansichten rebellieren – es sind Menschen mit guter Technik, einer künstlerischen Erfahrung und Position.

Das Werk „Sagen aus Uri“, Heimatkanton von Christian Indergand (2. Preis), basiert auf der Sagensammlung aus diesem Alpenraum, auf Erzählungen über Teufel, Geister, arme Seelen und Dämonen. Für uns, Zuschauer, die diese Sagen nicht kennen, sind es einfach sehr poetische Aufnahmen der dortigen Natur, die eine gewisse Stimmung übertragen.

Arbeiten der Serie HOLA MI AMOL von Karla Hiraldo Voleau (3. Preis) zeigen Aufnahmen von jungen Männern in derartiger Manier, die man gut aus unzähligen Glamour-, Lifestyle- oder „Herren“-Magazinen kennt. Dort sind in ähnlich inszenierten Fotografien Damen abgebildet. Die Serie entstand aus der persönlichen Situation der Fotokünstlerin, die aus einer französisch-dominikanischen Familie stammt. Sie sollte nach Meinung der Familie einen dominikanischen Mann als Partner wählen. Für uns Zuschauer sind die Arbeiten geschmackvoll-ästhetisch, ein schöner Hohn über die typische Werbefotografie.

In seiner Serie „Y-Kipcorn“ begibt sich Ernst Kehrli auf die Suche nach der Identität seiner Generation. In einer seiner Arbeiten gibt es auch eine ungewöhnliche Sicht – eine junge Dame schaut auf uns durch das Loch in einem Kegel (Abbildung). Ein sehr schönes Detail: Nach dem bekannten Theaterprinzip, dass ein König nur von seinen Dienern gespielt werden kann, haben drei von Kehrlis Arbeiten eine weiße Umrahmung mit vier kleinen schwarzen herausragenden Nägelchen an den Ecken.

Es ist unnötig, alle Arbeiten zu beschreiben – man sollte sie selbst bewundern. Nur auf zwei möchte ich noch Ihre Aufmerksamkeit richten: Erstens auf die von Alexandra Baumgartner, deren Arbeiten in Komposition, reduzierter Farbigkeit und innerer Stille an die klassischen Stillleben voriger Jahrhunderte erinnern. Und auf eine Arbeit von Lisa Lurati, in welcher Frauenbeinchen auf dem Kopf einer Männerbüste stützen – sie hat sehr vielen Zuschauern gefallen.

Die Arbeit „Cutis“ von Simon von Gunten, welche die Schweizer Jury mit dem 1. Preis dekoriert hat, stieß bei Zuschauern auf eine gespaltete Meinung. Der Künstler porträtiert Menschen unter Ultraviolett-Licht. Wir, Menschen, im Unterschied zu Katzen, Hunden und Rentieren sehen dieses Licht nicht, eine Kamera aber schon. Die Porträtierten erscheinen auf diesen Bildern mit zahlreichen Flecken auf der Haut. Es gibt keine Zweifel, dass diese Bilder für einen Spezialist sehr aussagekräftig sein können. Diese Flecken sahen jedoch nicht für alle Zuschauer ästhetisch aus. Eine Dame stöhnte, dass bei einem solchen Licht für eine glatte Haut viel zusätzliches Make-up notwendig ist ...

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Juli zu sehen.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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