Theaterlandschaft der Zukunft – 9. Geld

6. August 2016 - 7:13 | Jürgen Kannler

Der bestehende Plan, das Theater zu sanieren und in weiten Teilen neu zu bauen, steckt voller Tücken. Zwölf Diskussionsbeiträge zum Thema.

Bislang werden die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung einer zukunftsweisenden Entwicklung der gesamten Theaterlandschaft nicht gerecht. In zwölf Diskussionsbeiträgen bezieht die a3kultur-Redaktion dazu Position:

1. Namensänderung | 2. Freilichtbühne | 3. Dezentralisierung | 4. Theaterviertel | 5. Hierarchie | 6. Interimsspielstätten | 7. Großes Haus | 8. Zukunft | 9. GELD | 10. Werkstätten | 11. Bürgerbeteiligung | 12. Denkmalschutz

Die Finanzierung des neuen Theaters ist ein waghalsiges Unternehmen, selbst wenn die geschätzten Baukosten von ursprünglich rund 250 Millionen Euro auf heute knapp 200 Millionen Euro heruntergerechnet wurden. Dennoch könnte es gelingen, auch wenn Erfahrungswerte bei Bauprojekten der Stadt dagegensprechen. Wer die finanziellen Risiken bei diesem Projekt jedoch nicht sehen mag, ist entweder von Zweckoptimismus beseelt, mit Naivität gesegnet oder leidet schlicht an einem Anflug von Realitätsverlust.

Der wohlhabende Teil der Bürgerschafft hält sich seit Jahren vornehm zurück, wenn es darum geht, die Sanierungs- und Neubaupläne rund um das Theater konkret mit Euro und Cent zu unterstützen. In vergleichbaren Städten summierte sich diese Form des bürgerschaftlichen Engagements zu Millionenbeträgen und wurde weithin als eindeutiges Bekenntnis zur Theaterlandschaft gewertet. Dieses Bekenntnis steht in Augsburg aus.

Es verwundert nicht, dass einige Bürger Unterschriften sammeln, um das Finanzierungskonzept mittels Bürgerentscheid zu kippen. Obwohl gegenwärtig kaum ein Theaterfreund dazu bereit ist, ihre Frage »Soll die Stadt die Theatersanierung trotz finanziell schwieriger Situation über Neuverschuldung finanzieren?« mit Nein zu beantworten, wird die Initiative die nötige Unterstützung in Form von 11.000 Unterschriften bis zum Herbst beisammen haben. Auch wenn die prinzipielle Frage, ob das Große Haus saniert werden soll, kaum noch zur Debatte steht, sorgt die Finanzierung des Mammutprojekts nicht nur in den freien Szenen für reichlich Stirnrunzeln.

Die Kulturmacher ahnen, dass ihre Stimme kaum mehr zu hören sein wird, wenn die Maschine Theaterneubau erst einmal läuft. Um dann noch wahrgenommen zu werden, bilden sich nun Lobbygruppen – auch mit der Absicht, sich gemeinschaftlich Stücke vom Etatkuchen zu sichern.

Die Kulturpolitik begleitet  diese Initiativen mit Sympathie und einer »Umarmungsstrategie«, die so manchem freien Kulturmacher verdächtig ist. Am liebsten wäre es der Politik, die Kulturmacher würden ihr fertige Förderkonzepte liefern. Dies kann jedoch nicht Aufgabe der Programmmacher und Kreativen sein. Diesen Schuh wird sich die Politik selbst anziehen müssen, auch wenn er an allen Ecken und Enden drückt.

Der Schlüssel zu einer neuen Förderpolitik liegt nämlich nicht in einer neuen Aufteilung des alten Etats, sondern in der schrittweisen Aufstockung desselben. Es ist noch viel Luft nach oben, bis Augsburg seine Pro-Kopf-Ausgaben für die Kultur auf ein Niveau bringt, auf dem vergleichbare Städte schon längst agieren. Hier steht auch der Kulturreferent im Wort.

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