Theatersanierung wird kompliziert gestaltet

26. August 2016 - 8:12 | Patrick Bellgardt

Maria Löffler, Geschäftsführerin des Konzertbüros Augsburg, im Interview mit a3kultur

Frau Löffler, mit dem diesjährigen Kabarettherbst geht das Konzertbüro Augsburg in seine zweite »Spielzeit« in der Kresslesmühle. Wurden Ihre Erwartungen bislang erfüllt?

Auf künstlerischer Seite durchaus. Wir hatten neben vielen Newcomern auch große Namen dabei – ich würde sagen, ein buntes, anspruchsvolles Programm. Ich wüsste nicht, wie man es hätte besser machen können. Nicht erfüllt wurden die Erwartungen in anderer Hinsicht: Es ist bis jetzt nicht gelungen, in diesem wunderschönen Haus eine Gastronomie einzusetzen, die es auch ernst meint.

Die Gastronomie war in der Tat ein großes Diskussionsthema. Nach nur einem halben Jahr mussten Bernd Beigl und seine Kulturküche die Segel streichen. Inzwischen ist ein Nachfolger gefunden, der Name des Pächters wurde jedoch noch nicht veröffentlicht. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Es ist ein Unding, die Gastronomie so zu gestalten, wie es bisher der Fall war. Selbstverständlich hat dieser Umstand die Kabaretttage beeinflusst. Früher sind die Menschen oft in der Mühle essen gegangen oder haben gemütlich ein Glas Wein nach der Arbeit getrunken. Bei der Gelegenheit wurden sie durch Plakate und Flyer auf die Veranstaltungen aufmerksam. Auch wurde die Mühle als Kulturhaus gesehen. Das fällt komplett weg, wenn ein Gastronom nicht aufmacht und somit seiner Aufgabe nicht gerecht wird.

Das Theater Augsburg gastiert in seiner Interimszeit unter anderem im Kongress am Park und in der Schwabenhalle. Gehen den freien Kulturveranstaltern jetzt die Bühnen aus?

Ein leidiges Thema. Natürlich wird es dort kaum ein kulturelles Programm neben dem Theater geben. Es entsetzt uns, dass die Theatersanierung so kompliziert gestaltet wird. Dabei hat München es uns mit der Sanierung des Deutschen Theaters doch vorgemacht. Es wurde ein Zelt aufgebaut – ähnlich dem Palazzo – und somit keine einzige andere Spielstätte belegt. Die Kosten hierfür trugen sich selbst durch die Einnahmen.

Was erhoffen Sie sich von der viel zitierten Öffnung des Theaters? Hader, Schwarzmann, Wartke und Co wären doch auch was fürs Große Haus …

Das Theater und die Künstler würden sich auf jeden Fall gegenseitig bereichern. Josef Hader hat ja bereits dort gespielt, und das hat wunderbar funktioniert. Bodo Wartke ist ebenfalls ein großes Thema für Theaterräume.

Das Konzertbüro ist Mitglied der jüngst gegründeten Club & Kulturkommission Augsburg e.V. Was versprechen Sie sich von diesem Zusammenschluss?

Eine gemeinsame Position der freien und unabhängigen Veranstalter gegenüber der Stadt und ihrer Kultur- und Veranstaltungspolitik – unter anderem in der Frage der Ersatzspielstätten während der Theatersanierung.

Was ist Ihr Kabaretttipp für die nächsten Wochen?

Wir haben am 1. Oktober die Eröffnungsveranstaltung im Kongress am Park mit Sebastian Reich, der wohl jetzt als Newcomer richtig durchstarten wird. Aktuell wird eine Pilotfolge für seine erste eigene Sendung gedreht, die im BR zu sehen sein wird. Von dem jungen Mann wird man noch viel hören.

Maria Löffler leitet gemeinsam mit Erwin Kistler das Konzertbüro Augsburg. Das Unternehmen mit Sitz in der Maximilianstraße ist seit über 25 Jahren in der Veranstaltungsplanung und -durchführung sowie im Künstlermanagement tätig. Seit 2016 zeichnet das Konzertbüro für das Kabarettprogramm in der Kresslesmühle verantwortlich.
www.konzertbuero-augsburg.de
www.kresslesmuehle.de

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