Therapie mit Stella

30. Oktober 2017 - 10:46 | Renate Baumiller-Guggenberger

Deutschsprachige Erstaufführung von Miro Gavrans Komödie »Die Puppe« im Sensemble Theater.

Ein (auf)reizendes Thema: Wer wollte nicht immer schon einmal wissen, wie und warum der Umgang mit Sexpuppen funktioniert und welcher Typus Mann sich auf Selbige legt? Die hochmoderne Puppe Stella kann nicht lügen und wurde von ihrer Designerin, einer geschiedenen Karrierefrau namens Barbara auf lückenlose, eher untypisch weibliche Logik und die Hauptaufgabe programmiert, ihren Eigentümer glücklich zu machen. Sie spiegelt bewusst die Werte, Verhaltensweisen und Eigenheiten ihres Gegenübers und ist ökologisch perfekt aus erneuerbaren organischen Stoffen konstruiert.

Zudem verfügt Stella über einen Luxus-Körper, der »jeden Tag so sein wird, als sei er 14 Tage von seiner Menstruation entfernt« und damit dauerhaft auf leidenschaftlichen Sex mit einem Mann eingestellt. Was also sollte da noch schiefgehen? Kerstin Becke meisterte als aparte Blondine auf High-Heels ihren Puppen-Part ebenso sexy wie souverän und zeigte ihrem neuen »Vormund« und Eigentümer Marko nicht nur beim Schachspiel überaus schlagfertig, wie MANN mit Wesen ihrer Art und am Ende auch mit den wirklichen Frauen umzugehen hat. Genau daran nämlich hapert es bei dem übergewichtigen Marko, dem Heiko Dietz gekonnt, aber auf Dauer etwas monoton die unverkennbaren Züge des verzweifelt unfreiwilligen Singles verlieh.

Vom Vater früh im Stich gelassen, gebeutelt von einer allgemeinen Midlife-Krise, knabbert der wenig selbstbewusste Marko heftig an seiner am Kinderwunsch gescheiterten Beziehung zur Ex-Freundin Maria, die jetzt auch noch von einem anderen geschwängert wurde. Die Telefonate mit der Mutti machen die Situation auch nicht leichter. So hält er sich vor allem an seinem stets gefüllten Weizenglas fest, kommuniziert mit Stella im nervig-weinerlichen Stänker-Modus, trieft vor Selbstmitleid oder ereifert sich in Eifersuchts-Geplänkel. Das neue und intime Leben mit seiner Puppe Stella hat er sich in jedem Fall weniger kompliziert vorgestellt. Dennoch verdankt der geläuterte Marko dieser für alle Eventualitäten vorprogrammierten »Puppe« mit Therapeutinnen-Qualität im Finale der temporeichen TV-Serie in neun Folgen, als die Regisseur Sebastian Seidel die absehbare Handlung auf die Bühne bringt, sein neues Lebensglück.

Das Publikum amüsierte sich bestens bei Miro Gavrans aus dem Kroatischen übersetzten Boulevard-Komödie mit punktuellem Tiefgang, die definitiv eine Lanze bricht für die echte zwischenmenschliche Empathie samt dem ganz normalem Beziehungs-Stress und spendete den beiden Serienhelden, der Regie und dem Video-Trailer-Design von Serge Davidov, lang anhaltenden Premierenbeifall.

Die nächsten Termine: 3., 4., 10., 11., 17. und 18. November.

www.sensemble.de

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