Töne, töne, süße Stimme!

Ariadne auf Naxos_Jan Pieter Fuhr
1. Oktober 2019 - 11:09 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere der Oper »Ariadne auf Naxos« von Richard Strauss im martini-Park

Dirk Schmeding ersann für das Staatstheater Augsburg ein schlüssiges Regiekonzept, das »Vorspiel« und »Oper« konsequent und mit Situationskomik verzahnte – das Philharmonische Orchester und das Sängerensemble verwöhnten das Ohr mit melodischer Schönheit, orchestraler Pracht und sängerischen Höchstleistungen.

Ariadnes Retter, der göttlich-lüsterne Bacchus, dem die Sinneslust durch alle Glieder fließt, strandet im weißen Schlauchboot und mit oranger Schwimmweste auf Naxos, in verführerischer Manier herbeigesungen vom Nymphentrio: »Töne, töne, süße Stimme!«  Im figürlich eher unvorteilhaften Urlaubs-Outfit tritt er an, um nach baldigem Kostümwechsel die dem Totenreich zugeneigte Inselschönheit Ariadne, die im pinkfarben gepolsterten Sarg dem Weltschmerz entflieht, von den sinnlichen Vorteilen einer schon im Jenseits verwirklichten Liebe zu überzeugen.

Unwiderstehlich zog Jacques le Roux mit seiner vor maskulinem Selbstbewusstsein strotzenden, warm und rund ausbalancierten, voluminös und zugleich leuchtenden tenoralen Strahlkraft die Protagonistin samt Premierenpublikum alsbald in seinen Bann. Endlich! Lange genug schon musste man in Augsburg auf einen sängerischen Hochkaräter wie ihn (neues Ensemblemitglied seit dieser Spielzeit!) warten, der die insgesamt überzeugende Musiktheaterproduktion zum Wow-Erlebnis machte.

Großen Anteil am mit langem Schlussjubel bestätigten Erfolg dieser Produktion hatte neben den Philharmonikern, die GMD Héja zu kammermusikalischer Präzision angestachelte, natürlich Sally du Randt, die ihre melancholisch und raffiniert schwarz-blutig getränkte Titelpartie spannungsreich und stimmlich wie darstellerisch souverän ausgestaltete. Auch Olena Sloia ließ sich als koloratur- und männerfeste Zerbinetta den Triumph der halsbrecherischen großen Arie nicht nehmen, auch wenn man sich bei ihr trotz spielerischer Koketterie mehr stimmliche Substanz wünscht.

Die Liebe und der Schmerz über ihren Verlust, Verwirrung und Verblendung sind die zentralen Motive dieser 1912 uraufgeführten Oper nebst Vorspiel, die in Opernführern nicht umsonst eher »fortgeschrittenen« Musikliebhabern ans Herz gelegt wird. Den Esprit, mit dem das Librettisten-Komponisten-Gespann Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss in ihrer »Ariadne auf Naxos« zusammenführen, was offenkundig wenig kompatibel scheint – opera seria und komödiantisches  Lust- und Tanzspiel – machte sich in der Staatstheaterproduktion auch das Regieteam zu eigen. In Zeiten, in denen man sich – sofern das nötige Kleingeld vorhanden ist – Künstler auch frei Haus liefern lässt, müssen eben funktionale Kompromisse geschlossen werden, die wenig Rücksicht auf sensible oder höchst ambitionierte Künstlerseelen nehmen. Wer darunter dann so unfassbar leidet wie die junge, burschikose »Komponistin«, deren Resignation Natalya Boeva überzeugend auf die Bühne brachte, bleibt auf der Strecke, explodiert oder kooperiert am Ende, an dem doch alles gut wird!

www.staatstheater-augsburg.de/ariadne_auf_naxos

 

Weitere Positionen

3. Juli 2020 - 11:19 | Renate Baumiller-Guggenberger

»Barbie, schieß doch!« feierte seine Premiere open air als Eröffnung der »Sensemble-Sommerwiese«.

3. Juli 2020 - 9:34 | Marion Buk-Kluger

Kabarett und Comedy auf der Messeflimmern-Autokinobühne – Lacherlebnisse fast wie vor der Corona-Zwangspause. Quergelacht – die a3kultur-Kabarettkolumne

1. Juli 2020 - 14:18 | Thomas Ferstl

Die Kinos sind zurück, unter anderem mit der Adaption eines Romans von Alfred Döblin. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

30. Juni 2020 - 14:08 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere auf der Freilichtbühne: Der aus der Corona-Not geborene Gala-Abend als Alternative zum ursprünglich geplanten Musicalklassiker »Kiss me, Kate« sowie den Vorstellungen des wiederaufgenommenen »Herz aus Gold« überzeugte künstlerisch nicht in jedem Moment.

29. Juni 2020 - 10:10 | Jürgen Kannler

Nach der Kostenexplosion beim Theaterneubau und dem Kommunikationsdesaster vonseiten des OB-Referats in Richtung Kulturmacher*innen sendet die neue Regierung endlich ein erstes positives Signal. Ein Kommentar

27. Juni 2020 - 10:12 | a3redaktion

Mit mehr als 250 Besucher*innen vor Ort, verteilt auf fünf Panels, ging der zweite art3kultursalon unserer Redaktion zu Ende.

25. Juni 2020 - 11:14 | Renate Baumiller-Guggenberger

Welche Rolle kommt der Kultur in Post-Corona-Zeiten zu? Diese Frage stand am Mittwochabend im Fokus des art3kultursalons im Ofenhaus des Augsburger Gaswerks.

24. Juni 2020 - 8:59 | a3redaktion

Sämtliche Panels beim art3kultursalon sind ausreserviert. Der Vernetzungskongress für Kultur/Wirtschaft/Politik findet am 24. und 25. Juni im Ofenhaus auf dem Augsburger Gaswerkgelände statt.

23. Juni 2020 - 14:59 | Gudrun Glock

a3regional-Buchempfehlung: Annette Lepple – »Genießen statt gießen: Trockenheitstolerante Gärten gestalten«

21. Juni 2020 - 9:49 | Iacov Grinberg

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Süßkind zeigt Fotografien von Istvan Ladanyi.