Theater & Bühne

Töne, töne, süße Stimme!

Renate Baumille...
1. Oktober 2019
Ariadne auf Naxos_Jan Pieter Fuhr

Dirk Schmeding ersann für das Staatstheater Augsburg ein schlüssiges Regiekonzept, das »Vorspiel« und »Oper« konsequent und mit Situationskomik verzahnte – das Philharmonische Orchester und das Sängerensemble verwöhnten das Ohr mit melodischer Schönheit, orchestraler Pracht und sängerischen Höchstleistungen.

Ariadnes Retter, der göttlich-lüsterne Bacchus, dem die Sinneslust durch alle Glieder fließt, strandet im weißen Schlauchboot und mit oranger Schwimmweste auf Naxos, in verführerischer Manier herbeigesungen vom Nymphentrio: »Töne, töne, süße Stimme!«  Im figürlich eher unvorteilhaften Urlaubs-Outfit tritt er an, um nach baldigem Kostümwechsel die dem Totenreich zugeneigte Inselschönheit Ariadne, die im pinkfarben gepolsterten Sarg dem Weltschmerz entflieht, von den sinnlichen Vorteilen einer schon im Jenseits verwirklichten Liebe zu überzeugen.

Unwiderstehlich zog Jacques le Roux mit seiner vor maskulinem Selbstbewusstsein strotzenden, warm und rund ausbalancierten, voluminös und zugleich leuchtenden tenoralen Strahlkraft die Protagonistin samt Premierenpublikum alsbald in seinen Bann. Endlich! Lange genug schon musste man in Augsburg auf einen sängerischen Hochkaräter wie ihn (neues Ensemblemitglied seit dieser Spielzeit!) warten, der die insgesamt überzeugende Musiktheaterproduktion zum Wow-Erlebnis machte.

Großen Anteil am mit langem Schlussjubel bestätigten Erfolg dieser Produktion hatte neben den Philharmonikern, die GMD Héja zu kammermusikalischer Präzision angestachelte, natürlich Sally du Randt, die ihre melancholisch und raffiniert schwarz-blutig getränkte Titelpartie spannungsreich und stimmlich wie darstellerisch souverän ausgestaltete. Auch Olena Sloia ließ sich als koloratur- und männerfeste Zerbinetta den Triumph der halsbrecherischen großen Arie nicht nehmen, auch wenn man sich bei ihr trotz spielerischer Koketterie mehr stimmliche Substanz wünscht.

Die Liebe und der Schmerz über ihren Verlust, Verwirrung und Verblendung sind die zentralen Motive dieser 1912 uraufgeführten Oper nebst Vorspiel, die in Opernführern nicht umsonst eher »fortgeschrittenen« Musikliebhabern ans Herz gelegt wird. Den Esprit, mit dem das Librettisten-Komponisten-Gespann Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss in ihrer »Ariadne auf Naxos« zusammenführen, was offenkundig wenig kompatibel scheint – opera seria und komödiantisches  Lust- und Tanzspiel – machte sich in der Staatstheaterproduktion auch das Regieteam zu eigen. In Zeiten, in denen man sich – sofern das nötige Kleingeld vorhanden ist – Künstler auch frei Haus liefern lässt, müssen eben funktionale Kompromisse geschlossen werden, die wenig Rücksicht auf sensible oder höchst ambitionierte Künstlerseelen nehmen. Wer darunter dann so unfassbar leidet wie die junge, burschikose »Komponistin«, deren Resignation Natalya Boeva überzeugend auf die Bühne brachte, bleibt auf der Strecke, explodiert oder kooperiert am Ende, an dem doch alles gut wird!

www.staatstheater-augsburg.de/ariadne_auf_naxos

 

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