Treffpunkt für die Stadtgesellschaft

10. Juni 2019 - 8:45 | Gast

Nach Umbau und Renovierung feiert die Kresslesmühle ihre Wiedereröffnung. Marion Buk-Kluger sprach mit dem zuständigen Referenten Reiner Erben über das, was bleibt, und Neuerungen, die dem ursprünglichen Zweck des Hauses als interkulturelle Begegnungsstätte dienen sollen.

Wer künftig die Kresslesmühle besucht, wird als klassischer Kabarettbesucher im Theaterraum optisch erst einmal keine große Veränderung spüren, dennoch hat sich baulich einiges getan: Die Toiletten wurden in den ersten Stock verlegt, barrie­refrei, ein Aufzugsschacht wurde eingebaut. Der Platzgewinn im Erdgeschoss kommt der Gastronomie zugute, die im Küchenbereich großzügiger angelegt ist. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro, mit 90 Prozent Städtebauförderung. Für Reiner Erben, Leiter des Referats für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration, wird die Mühle durch die bauliche Neustrukturierung wieder mehr zu dem, für was sie einst stand und gegründet wurde.

a3kultur: Wie kam es zum Umbau und zur Förderung für die Kresslesmühle?

Reiner Erben: Städte mit hohem Migrantenanteil bekommen aus der Städtebauförderung zusätzliche Mittel für Integrationsmaßnahmen. Das Haus selbst war zwar schon von Beginn an als interkultureller Begegnungsort innerhalb der Altstadt mit ihrem hohen Migrantenanteil angelegt. Das hatte sich im Laufe der Jahre geändert, der Migrantenanteil im Stadtteil nahm ab. Andererseits entwickelte sich die eigenständige Kresslesmühle-GmbH, die die Aufgabe hatte, mit einem städtischen Etat von zuletzt 190.000 Euro ein interkulturelles Haus zu sein – was es auch war, sich letztendlich aber immer mehr zu einer reinen Kabarettbühne entwickelte. Die Grundidee der Mühle sollte aber unter der städtischen Verwaltung wieder mehr greifen. Daher wird im ersten Stock auf über 200 Quadratmetern eine Beratungsstelle für Bildungsberatung für Zuwanderer einziehen, die aus verschiedenen Töpfen gefördert wird. Zudem werden Räume für migrantische Vereine bereitgestellt.

Müssen Kabarettfans auf ihre gewohnten Veranstaltungen verzichten?

Nein, die Organisation ist nur anders geregelt. Das Konzertbüro Augsburg wird die Kabarettveranstaltungen – 20 bis 30 Termine im Jahr – managen. Dafür erhält es einen städtischen Zuschuss von 30.000 Euro, da ja die Räumlichkeiten nicht optimal und zu klein sind. Dennoch gibt es Künstler, die immer wieder bewusst in der Mühle vor kleinem Publikum auftreten wollen. Gleichzeitig kümmert sich das Team der Mühle, das im Büro für Migration angesiedelt ist, um interkulturelle Veranstaltungen. Es gibt migrantische Bands, die auftreten werden, Hip-Hop-Sessions etc. Wir konnten in der Programmstruktur nicht am Status quo anknüpfen, es brauchte einen Neuanfang, auch in der Ausrichtung des Hauses.

Wie sieht dieser konkret aus?

Nachdem sich die GmbH aufgelöst hatte, wollte ich, dass die Mühle wieder als interkultureller, aber auch integrativer Ort und Treffpunkt für eine Stadtgesellschaft mit fast 50 Prozent Migrationshintergrund ausgebaut wird. Unser Fokus ist, migrantischen Organisationen, Vereinen und Künstlern Auftritts- und Treffmöglichkeiten anbieten zu können. Gerade kleinere Vereine, die keine eigenen Liegenschaften haben, können sich hier ansiedeln und bekommen einen abschließbaren Schrank in zwei renovierten Räumen, die auch technisch aufgerüstet wurden. Auftrittsmöglichkeiten sind zudem mit der Bühne gewährleistet. Eine Komponente sollte jedoch sein, dass auch ein interkultureller Austausch unter den einzelnen Gruppen stattfindet, sodass sie sich eben nicht abkapseln, sondern vielmehr öffnen. Auch größere Vereine sind erwünscht, wenn sie etwa in der Mühle Kulturveranstaltungen durchführen. Wir haben hier die Chance, wieder ein Ort der Annäherung und Begegnung zu werden. Auch der Integrationsbeirat bekommt eine weitere halbe Stelle, die hier angesiedelt sein wird. Die Mühle kann für diese Institution ein zusätzlicher Begegnungsort werden.

Welche Aufgabe hat die Beratungsstelle?

Wir hatten überlegt, was neben den bereits bestehenden Angeboten im Bereich Migrationsberatung fehlt, und kamen zum Schluss, dass wir eine Anlaufstelle für Zuwanderer, zu denen auch Menschen etwa aus Hamburg zählen können, im Bereich der Bildungsberatung einrichten werden. Ziel ist es, über Schul- und Weiterbildungsmaßnahmen zu informieren, und zwar für alle Mitbürger mit Migrationshintergrund. Wir wollen alteingesessenen Institutionen in diesem Bereich nichts wegnehmen, sondern eine Ergänzung sein. Zu bestimmten Themen der Ausbildung sind hier auch Abende denkbar, wie etwa zur Ausbildung in migrantischen Unternehmen etc.


Am 15. Juni, 20 Uhr, lädt das Mühle-Team ein zur offiziellen »Sause nach der Pause«. Bei freiem Eintritt spielen mehrere Formationen, unter anderem die hauseigene Jazz-Combo Los Molineros. Weitere Infos und alle Termine im Überblick unter:
www.kresslesmuehle.de

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