Club & Livemusik

Überraschend tanzbar

Gast
7. Dezember 2015

Schon zu Beginn der Show am 5. Dezember bringen die Augsburger, Pinewood Soul den Laden ordentlich in Schwung. Gemeinhin als Folk deklariert, können sie vor Fans, Neugierigen und „Angeworbenen“ mit ihrem ungewöhnlichen Repertoire auftrumpfen. Beeinflusst von Funk, Reggae, R’n’B und anderen Strömungen der Popmusik zeigen die Jungs, dass sie sich nicht so einfach einordnen lassen. Lässig-drahtige Gitarrensounds und groovy Basslines laden zum ausgelassenen Schwingen aller Extremitäten ein, während die Frontmänner Jonehans und Julo echte Showmanship beweisen, mit energetischer Performance und teils schrägen Gesangseinlagen. Der Auftritt der Augsburger verrät vor allem eines, aufrichtige Liebe zur Musik und zum Publikum, welches diese Liebe intuitiv erwidert.

Vom ersten Ton an ist klar was nun ansteht, nachdem Whiskey Foundation (Foto: Marko Panic) aus München die Bühne betreten. Eine vor Trotz strotzende Mundharmonika, die jeden Landstreicher erblassen ließe, leitet den Blues-Act ein und füllt schlagartig auch die letzten Plätze auf der Tanzfläche. Jede Menge Live-Erfahrung, auch als Vorband für AC/DC, zwei veröffentlichte Studioalben und eine ansehnliche Fanbase, nach nur vier Jahren Bandgeschichte, sprechen für sich und rechtfertigen den Status als Mainact des Abends. Der authentisch-wilde Bluesrock der Münchner versetzt die angeheizte Menge endgültig in Rage und verwandelt die Kantine in Teufels Küche. Mit jazzigen, teils psychedelisch anklingenden Soli auf Gitarre und Piano, und kurzen Ausflügen in härtere Rockgefilde, variieren die Musiker spielerisch auf der Bluestonleiter. Besonders Frontmann und Autodidakt Murat Kaydirma packt durch leidenschaftliche Performance, ungeheurem stimmlichen Volumen und besagtem Mundharmonikaspiel auch den Letzten im Saal, was so manchen an einen gewissen Mr. Mojo Risin denken lässt. Dabei scheint die Band allgemein stark von The Doors beeinflusst, hat aber definitiv einen eigenen charakteristischen Sound.

Unbestreitbar jedenfalls, sind The Whiskey Foundation, schon alleine aufgrund ihrer ungeheuren Authentizität und des harmonisch-professionellen Zusammenspiels, ein Wahnsinns-Liveact und ein wahrer Ohrenschmaus, auch für Genreneulinge und übermüdete Redaktionspraktikanten. (Sebastian Stieber)

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