Überwältigendes Echo

kurt idrizovic
24. November 2014 - 16:17 | Patrick Bellgardt

»Augsburg liest ein Buch«: Zeit für eine Zwischenbilanz

Seit Sommer läuft das Literaturprojekt »Augsburg liest ein Buch«. Die Leseinitiative rund um Robert Seethalers Erfolgsroman »Der Trafikant« wird von einem abwechslungsreichen Programm begleitet. Gestartet wurde die Aktion von den Wirtschaftsjunioren, die in Zusammenarbeit mit den Buchhändlern, der Universität und dem Theater so viele Leser wie möglich für den »Trafikanten« begeistern möchten. Eine treibende Kraft dieser Gruppe ist das Augsburger Literatururgestein Kurt Idrizovic. Im Gespräch mit a3kultur zieht der Inhaber der Buchhandlung am Obstmarkt ein erstes Resümee. Die Fragen stellte Patrick Bellgardt.


Herr Idrizovic, das Ziel von »Augsburg liest ein Buch« ist es, die Menschen für Literatur zu begeistern. Ist das bislang gelungen?

Auf jeden Fall! Mehrere Tausend Bücher sind gekauft, geliehen und gelesen worden. Ich bin immer wieder überrascht, wie begeistert die Augsburger den »Trafikanten« angenommen haben.

Nun sollen die Augsburger aber nicht nur lesen, sondern auch mitdiskutieren. Wie ist die Resonanz auf das Rahmenprogramm?

Die Veranstaltungen werden sehr gut besucht, nicht wenige Termine sind ausverkauft. Die Menschen möchten nach dem Lesen einfach noch mehr wissen und sich über die vielseitigen Themen des Buchs austauschen. Ich denke, das ist der eigentliche Erfolg der Initiative.

Das Projekt lebt natürlich vor allem von seinem Lesestoff. Warum kommt »Der Trafikant« so gut an?

Die Geschichte deckt viele Facetten des Lebens ab: Liebe, Politik und nicht zuletzt Widerstand. Was kann der Einzelne gegen eine Übermacht tun? Außerdem erzählt das Buch einen Aspekt der Geschichte, der bei uns bisher vergleichsweise unbekannt ist: die Entwicklung des Faschismus in Österreich. Es ist einfach ein guter Roman, von dem man viel lernen kann, ohne dass er belehrend oder kitschig ist.

Als Höhepunkt wird Robert Seethaler am 30. November in der Neuen Stadtbücherei zu Gast sein. Ist das Projekt damit abgeschlossen?

Nein, es geht noch weiter. An der Universität werden weiterhin Kurse zum Thema angeboten. Darüber hinaus gibt es am 15. Januar eine spannende Veranstaltung im Augsburger Zoo: eine Lesung im Löwenhaus.

Können Sie sich eine zweite Ausgabe von »Augsburg liest ein Buch« vorstellen?

Darauf werden wir immer wieder angesprochen. Ich kann mir das schon vorstellen, schließlich ist das Echo aus der Stadtgesellschaft wirklich überwältigend. Allerdings muss man ein solches Projekt nach seinem Abschluss erst einmal sacken lassen und in aller Ruhe ein Fazit ziehen.


Weitere Informationen und Termine finden Sie unter:
www.augsburg-liest-ein-buch.de

 

(Foto: Frauke Wichmann)

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