Überwältigung und Kontemplation!

20. Mai 2019 - 9:39 | Renate Baumiller-Guggenberger

Isabelle Faust führt im Goldenen Saal mit sechs Partiten und Sonaten für Solo-Violine und dem sprechendem Klang ihres Barockbogens in Bachs musikalisches Universum.

Ein vollkommenes „Bei-sich-und-bei-Bach-Sein“ durften all die Zuhörer erfahren, die als Mozartfest-Fans für einen denkwürdigen Donnerstagabend im Goldenen Saal zur eingeschworenen, am Ende überwältigten Bach-Gemeinde transformierten und ihrer Begeisterung für die Künstlerin mit Standing Ovation Ausdruck verliehen.

Das dreistündige Recital klang in gebotener Stille sanft aus. So wie Isabell Faust den Finalsatz der „Partita d-moll“ schweigend verlängerte, machte sie einmal mehr deutlich, dass Stille, wie Roger Willemsen es treffend formulierte, der „Zustand ist, in dem Musik geboren wird“. Und in kaum einem anderen Werk lässt sich dies so gründlich erfassen wie in den gleichermaßen intellektuell kalkulierten wie berührend emotional komponierten und immer variantenreichen Sonaten und Partiten für Solo-Violine, zu deren einzigartiger Fürsprecherin und Interpretin sich Isabell Faust seit vielen Jahren macht, indem sie den Geist des Werks aus heutiger Perspektive reflektiert. Dabei weiß sie genau, dass diese außergewöhnliche Reise ins musikalische Universum von Johann Sebastian Bach - als unermesslicher Spannungs- und Konzentrationsakt - nur dann wirklich „funktioniert“, wenn Solistin und Zuhörerschaft sich eins sind. Auch in Augsburg gelang dieses Miteinander. Die Herausforderungen und die Faszination, die in einem derartigen Bach-Solo-Programm liegen, verschmolzen in technisch erhabenem Virtuosentums samt der heilsamen Klangästhetik des sensationell geführten Barockbogens und wurden von der passenden Raumakustik getragen. Isabell Faust, die 1987 als Fünfzehnjährige allererste Preisträgerin des Int. Leopold Mozart-Violinwettbewerbs in Augsburg war, muss ihren Nachnamen genutzt haben, um einen individuellen musikalischen Pakt direkt mit Johann Sebastian Bach zu schließen.

Anders ließen sich diese magischen Konzertstunden in allen Details kaum enträtseln, in denen man nur immer wieder staunte über die schwerelos wirkende Interpretationsweise, sich dann wieder versenkte, ganz nach Innen hörte, neugierig immer tiefer eintauchte in die vertrackt polyphonalen Strukturen und wahrnahm, wie sich der eigene Atem mit dem Tempo und dem Gehalt der Bach-Sätze synchronisierte. Ein sehr kostbares Jubiläumsgeschenk! Angenommen voller Freude, um Bach neu und Mozart eventuell besser zu verstehen, für das der Dank an Isabelle Faust, aber auch an Simon Pickel geht, der dieses musikalische Hochamt der Achtsamkeit auf den Weg brachte!

www.mozartstadt.de

Foto: Christian Menkel

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