Und ewig lockt das Kino?

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5. August 2015 - 8:50 | Thomas Ferstl

Was die Filmsäle unserer Region im August zu bieten haben

»Der kleine Bildschirm des Fernsehapparates liefert jederzeit billiger die gewünschte Unterhaltung und in der durch weniger Arbeit gewonnenen freien Zeit spielt man mehr Golf, geht mehr fischen oder beschäftigt sich zu Hause nach der Parole ›Do it yourself‹.« So liest man in der »Zeit« vom 20. Februar 1958. Untersucht wurden die abnehmenden Besucherzahlen im internationalen Kinogewerbe. Früher war also auch nicht alles besser, und dieses Zitat ist heute wieder genauso aktuell wie damals. Netflix, Sky und Co. zeigen Filme und vor allem gut und aufwendig produzierte Serien dann, wann ich sie sehen will oder kann, und noch dazu zu einem Preis, der auf lange Sicht gesehen bei Weitem günstiger ist als regelmäßige Kinobesuche. Ich gestehe, dass ich selbst nicht mehr für jeden halbwegs interessanten Film ins Kino renne, aber oft ist es das doch noch wert, denn Kino ist nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl, das sich zu Hause mit keiner Technikspielerei nachempfinden lässt. Aber lockt das Kino denn nun diesen Monat? Finden Sie es hier heraus.

In Rupert Goolds »True Story: Spiel um Macht« (6. August, CinemaxX) hat sich Journalist Michael Finkel (Jonah Hill) bis an die Spitze der New York Times geschrieben. Doch bei seinem neuesten Artikel begeht er einen gravierenden Fehler und wird gefeuert. Die nächste Story präsentiert sich ihm jedoch recht bald in Gestalt des inhaftierten Christian Longo (James Franco). Dieser soll seine Familie umgebracht haben und bietet Finkel Insiderinformationen zur Tat. Zwischen dem Verdächtigen, der sich bei seiner Verhaftung als Finkel ausgegeben hatte, und dem Journalisten entsteht eine spannungsvolle und gefährliche Vertrauensbeziehung. Um es gleich vorwegzunehmen, die Geschichte ist nicht spannend, sondern traurig, genau wie das Skript. Dem Film ist anzumerken, dass das Regieteam noch recht unerfahren ist. Erfahren sind hingegen die beiden Hauptdarsteller. Es dauert jedoch, bis man sich daran gewöhnt hat, dass Hill und Franco sich nicht wie zuletzt von ihnen gewohnt in einer Komödie zeigen. Im Endeffekt ist aber genau dies das Erfrischende an »True Story«.

Anfang der 1960er-Jahre: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges werden CIA-Agent Napoleon Solo (Henry Cavill) und KGB-Spion Illya Kuryakin (Armie Hammer) von ihren Arbeitgebern gezwungen, zusammenzuarbeiten. Gemeinsam sollen sie gegen ein geheimnisvolles internationales Verbrechersyndikat mit Nazi-Verbindungen vorgehen, das eine Atomwaffe besitzt und somit das Gleichgewicht der Supermächte bedroht. Guy Ritchie lässt in »Codename U.N.C.L.E« (13. August, CinemaxX) die Swinging Sixties wieder aufleben. Dazu gehört die leicht trashige Story ebenso wie Daniel Pembertons hervorragende Musik und die liebevolle Ausstattung. Dieser Film hat zweifelsohne eine Menge Charme, fast so wie das süffisante Zwinkern des Agentenkollegen Roger Moore. Das mag unter anderem der Tatsache geschuldet sein, dass der Film auf der 60er-Jahre-Serie »Solo für O.N.C.E.L.« mit Robert Vaughn und David McCallum basiert, zu der auch James-Bond-Schöpfer Ian Fleming einen Beitrag leistete. Ritchie hat das Beste aus der Vorlage mit dem Besten der heutigen Filmtechnik vereint und so ein gekonntes Spektakel aus Action, Witz, markigen Sprüchen und Sex geschaffen, in das sich die Darsteller perfekt einfügen. Vor allem die aufstrebende Alicia Vikander, hier in der weiblichen Hauptrolle zu sehen, lohnt es sich weiterhin zu beobachten.

Foto: Partner wider Willen: CIA-Agent Solo (Henry Cavill, vorn) und KGB-Spion Kuryakin (Armie Hammer) in Guy Ritchies »Codename U.N.C.L.E«

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