»Das ist unser Auftrag«

25. August 2020 - 10:47 | Martin Schmidt

Sichtbar bleiben, weiter veranstalten: Die Stadthalle Gersthofen ist ein wichtiger Kultur-trotz-Corona-Motor im Norden Augsburgs. Der markante Regionbooster erschließt dabei neue Felder.

Diesen Herbst wird die Stadthalle Gersthofen ein Vierteljahrhundert alt. Seit 1995 ist sie in der Region ein Zentrum für Kunst und Kultur, das bis dato rund 1,5 Millionen Besucher mobil gemacht hat, die Kulturregion mit circa 3500 Veranstaltungen signifikant mitprägte. Uwe Wagner ist seit 2019 Kulturamtsleiter in Gersthofen. Damit ist der Enddreißiger verantwortlich für die hiesige Kultur-Quadriga Stadthalle, Stadtbibliothek, Ballonmuseum und Volkshochschule. Ein Viergespann, das eine mehrdimensionale Gemengelage aus regionalen und internationalen Besucherzuströmen sowie eine breitgefächerten Zielgruppenaufstellung nicht nur bewirkt, sondern diesem Anspruch auch bemerkenswert erfolgreich gerecht wird. Das Spektrum geht dabei von Livekonzerten, Theater, Kabarett und Comedy bis zu Tagungen und Festen.

Das Flaggschiff, die Stadthalle, kann bei einer Stadtgröße von derzeit knapp 23.000 Einwohnern auf eine vergangene Spielzeit mit rund 200 Veranstaltungen mit um die 100.000 Besucher zurückschauen. »Die Stadt wirkt überregional und hat ein enorm großes Einzugsgebiet – das geht von München bis Kempten. Das ist sehr außergewöhnlich für eine Stadthalle«, so Uwe Wagner. »Das ist eine tolle Geschichte für uns, aber auch eine große Herausforderung in puncto Programm und Marketing. Das Ballonmuseum hingegen hat eine ganz internationale Zielgruppe. So dürfen wir hier zum Beispiel viele Gäste aus Asien begrüßen – die Community der Ballonfahrer ist tatsächlich sehr weltweit unterwegs.« Heißt: für die Vermittlung muss ein mehrsprachiges Angebot geleistet werden. Daneben gleichzeitig die Vermittlung an Kinder – mit »Graf Schaf« gelang hier der Stadthalle jüngst ein gelungenes Online-Format.

Neue Zielgruppen & stärkeres regionales Einbeziehen

Noch im Frühjahr präsentierte sich der Belegungsplan für die nun beginnende Spielzeit der Stadthalle so voll wie nie – zwischen Mitte September und Silvester 2020 waren weniger als eine Handvoll Tage spielfrei. Der Grund: corona-bedingt waren Veranstaltungen in die neue Spielzeit verschoben worden. Ein Bild, dass sich freilich bis dato wieder änderte. Veranstalterabsagen, dann wieder Neubuchungen, angepasst an die neuen Rahmenbedingungen – ein Hin und Her: Wagner hat alle Hände voll zu tun. Denn für ihn gilt: »Wir werden im Herbst wieder in der Tat ganz bewusst veranstalten. Wir wollen und müssen ja sichtbar bleiben. Dass es wirtschaftlich mit negativen Folgen behaftet ist, das ist so. Aber es ist ja unser Auftrag, dass wir hier ein Kulturprogramm auch trotz schwieriger Rahmenbedingungen aufrecht erhalten.«. Die Stadthalle nutzt die neue Lage ganz bewusst als Experimentierfeld: »Wir wollen uns neuen Zielgruppen öffnen und auch die Region stärker einbeziehen.« Dazu wird unter anderem auch ein Konzert des Augsburger Arabic Jazz Ensembles Harrycane Orchestra am Freitag, 23. Oktober, gehören.

»Wie es nach dem Herbst weitergehen wird, ist völlig offen«, sagt Wagner. »Ich denke, dass wir gut und klug darin beraten sind, nicht davon auszugehen, dass sich die Situation schnell normalisieren wird.« Es scheint, dass der Kulturamtsleiter für solcherlei Aufgaben besonders gut aufgestellt ist – er schöpft aus zwei Kompetenzfeldern gleichzeitig. Wagner ist nicht nur selbst Künstler – er ist Cellist –, sondern auch studierter Wirtschaftsinformatiker. »In meiner Zeit als Wirtschaftsinformatiker habe ich gelernt, strukturiert und prozessorientiert zu arbeiten. Außerdem habe ich Erfahrung in einem großen Konzern gemacht und dort gelernt, wie interne Abläufe funktionieren. Damals war ich auch im Betriebsrat und konnte unheimlich wertvolle Erfahrungen in Unternehmenspolitik sammeln. Für mich persönlich sind diese Erfahrungen durch die Transformation in meiner Arbeit in der Kultur immer noch Gold wert. Auf der anderen Seite ist es in meinem Job auch sehr hilfreich zu wissen, wie sich der Akteur oder der Musiker auf der Bühne fühlt, was er benötigt und was ich als Kulturvermittler dafür auch tun kann oder tun muss, um ein intensives Konzerterlebnis für Gäste und Künstler zu ermöglichen.«

*** Dieser Beitrag von Martin Schmidt ist eine Zusammenfassung eines Gesprächs von a3kultur-Herausgeber Jürgen Kannler mit Kulturamtsleiter Uwe Wagner. Nachzuhören in unserer Podcast-Reihe »Kulturregion trotz Corona« auf: www.what-goes-on.de

Abbildung: Kulturamtsleiter Uwe Wagner lenkt die Gersthofer Kultur-Quadriga Stadthalle, Ballonmuseum, Stadtbücherei und Volkshochschule (Foto: Marcus Merk)

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